Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Benno Kerry: Über Anschauung und ihre psychische Verarbeitung. Vierteljahresschrift f. wissensch. Philosophie, 1885-1891, E. G. Husserl: Philosophie der Arithmetik. Psychologische und logische Untersuchungen, Erster Band, Halle-Saale, Pfeffer-Stricker, 1891, Chr. v. Ehrenfels: Zur Philosophie der Mathematik. Vierteljahrsschr. f. wissensch. Philosophie, 1891
Person:
Höfler, A.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit15231/14/
Besprechungen. 
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wird, allerdings oft unbeabsichtigt und unbemerkt, so dais der Schein 
aufkommt, als wäre sie in derselben eo ipso enthalten. Woher stammt 
also der Begriff von Einheit und Vielheit? — Zwei Auswege scheinen 
sich da mit Beziehung auf anderweits bekannte Phänomene zunächst 
darzubieten: Die Koncentrierung der Aufmerksamkeit und das „In 
Relation setzen“. (Sf 287.) Nach kurzer Erörterung heilst es: „Es ist 
leicht abzusehen, dafs zu einer endgültigen Entscheidung der Frage unsere 
Psychologie noch nicht genügend ausgebildet, die Begriffe des Auf- 
merkens, des Unterscheidens, der Einheit des Bewufstseins noch nicht 
hinreichend bearbeitet und präcisiert sind. Der Unbefangene wird am 
besten thun, mit dem Hinblick auf alle möglichen Lösungsversuche sein 
Urteil vorläufig zu suspendieren“ (S. 289). Aber: „Wenn man die klarste 
und deutlichste Zahlenvorstellung, diejenige, welche die meisten 
Menschen nur bis vier oder fünf zu fassen vermögen, die „direkte“ 
Zahlenvorstellung als psychologisches Faktum unanalysiert hinnimmt: 
(das Recht hierzu giebt die Empirie in unzweifelhafter'Weise) und sein 
Augenmerk lediglich auf die verschiedenen Arten hinlenkt, wie diese 
Vorstellung umschrieben wird und Zahlen „indirekt“ zum Bewufstsein 
gelangen, so eröffnet sich ohne bedeutende Schwierigkeit eine Reihe 
wohlverbürgter fruchtbarer Erkenntnisse“ (S. 290.) Als solche indirekte 
Zahlenvorstellungen werden der Reihe nach in musterhaft klarer Weise 
beschrieben die Zählvorstellung (S. 292), von welcher gezeigt wird, 
dafs sie nicht durch Vergleichungsrelation vermittelt wird, sondern dafs 
sie eine „progressive Erzeugungsvorste 11 ung ist, zugehörig zu 
der Kategorie der indirekten oder durch fundierte Inhalte vermittelten 
Vorstellungen.“ (S. 295. — Die Definitionen dieser Termini wollen a. a. O. 
nachgesehen werden; mit dem Ausdrucke fundierte Inhalte an Stelle 
von „Gestaltqualitäten“ nimmt Ehrexfels den von Meixoxg in dieser 
Zeitschrift II. S. 245, gemachten Vorschlag an.) Ferner die Wort-und 
Schriftvorstellungen von Zahlen (S. 296), die bildlichen Zahl¬ 
vorstellungen (S. 299, z. B. „Zahl gleich der Anzahl der Ecken eines 
Quadrates“), sodann, nach dem Nachweis, dafs die Zahl mit noch anderen 
Inhalten der gemeinsamen Klasse der Gröfsen angehört (S. 300): die 
Gr öf s en vors tellungen von Zahlen, die Summierungs- und als 
deren specielle Fälle die Produkt- und Potenz vor st eil ungen ; 
während diese in der Regel zu progressiven Erzeugungsvorstellungen 
von Zahlen verwendet werden, sind die Differenz- und Quotienten¬ 
vorstellungen teils regressive, teils aber doch auch progressive Vor¬ 
stellungen besonderer Art. „Jeder fühlt deutlich, dafs die Angabe 
„„Zahl, welche man zu Vier hinzufügen mufs, um Sieben zu erhalten““, 
nicht der Vorstellung entspricht, welche sich ihm natürlich bei dem 
Symbol 7—4 aufdrängt, Vielmehr stellt jeder Unbefangene hier die 
Differenz drei als „diejenige Zahl“ vor, „welche übrig bléibt, wenn man 
von sieben vier wegnimmt“. Das Symbol der Subtraktion, etwa 7—4, 
ist somit zwar eindeutig bestimmt bezüglich der Zahl, welche „heraus¬ 
kommt“, zweideutig aber bezüglich der Art, wie jene Zahl zur Vorstellung 
gebracht wird. Es folgt „noch eine kurze Betrachtung der gebrochenen 
Zahlen, der negativen Zahlenreihe und der algebraischen Zahlen“. (S. 308.)
        

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