Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Benno Kerry: Über Anschauung und ihre psychische Verarbeitung. Vierteljahresschrift f. wissensch. Philosophie, 1885-1891, E. G. Husserl: Philosophie der Arithmetik. Psychologische und logische Untersuchungen, Erster Band, Halle-Saale, Pfeffer-Stricker, 1891, Chr. v. Ehrenfels: Zur Philosophie der Mathematik. Vierteljahrsschr. f. wissensch. Philosophie, 1891
Person:
Höfler, A.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit15231/10/
Besprechungen. 
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allein ist hier entscheidend — lehrt nichts von solchen schöpferischen 
Processen.' Unsere Geistesthätigkeit macht nicht die Relationen; sie 
sind einfach da Und werden bei gehöriger Richtung des Interesses 
bemerkt so gut, als irgend welche andere Inhalte. [Verfasser citiert hier 
Stumpf, Tonpsychologie I, S. 104 u. f.] Im eigentlichen Sinne schöpferische 
Akte, Welche als ein von ihnen verschiedenes Resultat irgend einen 
neuen Inhalt schaffen, sind psychologische Undinge. Freilich unter¬ 
scheidet' man ganz allgemein die beziehende Geistesthähigkeit von der 
Beziehung selbst (das Vergleichen von der Gleichheit u. s. f.). Aber wo 
man solcher Art von beziehender Thätigkeit spricht, versteht man 
darunter entweder das Auffassen des Relationsinhaltes; oder das die 
Beziehungspunkte heraushebende und umfassende Interesse, die un- 
erläfslic.he Vorbedingung dafür, dafs die jene Inhalte verbindenden 
Relationen bemerkbar würden. Aber wie auch immer, man wird nie 
behaupten können, dafs der betreffende Akt seinen Inhalt schöpferisch 
erzeuge.“ — Weiter heifst es dann S. 66: Das Analysieren ist über¬ 
haupt keine psychische Thätigkeit in dem eigentlichen Sinne des Wortes, 
d. h. eine solche, die in den Bereich der Reflexion fiele. Man unter¬ 
scheide zwischen einem psychischen Geschehen und einem psychischen 
Akte. Psychische Akte sind das Vorstellen, Bejahen, Verneinen, Lieben, 
Hassen, Wollen u. s. w., von welchen uns die innere Wahrnehmung 
(Lockes reflection) Kunde giebt. Ganz anders verhält es sich mit dem 
Analysieren. Niemand kann eine analysierende Thätigkeit innerlich 
.wahrnehmen. Wir können die Erfahrung machen, dafs ein zuerst un- 
analysierter Inhalt dann zu einem analysierten wird; wo früher Ein 
Inhalt war, wird jetzt eine Vielheit bemerkt. Mehr aber als dieses 
post hoc ist innerlich nicht zu konstatieren. Von einer psychischen 
Thätigkeit, durch welche aus der unanalysierten Einheit die Vielheit 
erst wird, lehrt die innere Wahrnehmung nichts. Das Faktum aber der 
eingetretenen Analyse kommt zu unserer Kenntnis, indem wir die Erinne¬ 
rungsvorstellung des unanalysierten Ganzen mit dem gegenwärtigen des ana¬ 
lysierten vergleichen.“ Es treten solcher Art Akte des Vergleichens und 
Unterscheidens auf, welche jedoch die vollzogene Analyse voraussetzen.“ 
Referent gesteht, die in den vorstehenden Sätzen aufgestellten Be¬ 
hauptungen (— Begründungen sollen es ja nicht sein —) über Finden 
oder Nichtfinden psychischer Thatbestände durch seine eigene innere 
Erfahrung keineswegs ohne weiteres bestätigt zu finden. „Niemand 
kann eine analysierende Thätigkeit innerlich wahrnehmen.“ 
Wer hätte aber bisher nicht geglaubt, das Analysieren mindestens 
ebensogut innerlich wahrnehmen zu können als etwa das Vorstellen? 
„Wo früher Ein Inhalt war, wird jetzt eine Vielheit bemerkt.“ „Wa r“ — 
ist also nach dem Bemerken nicht mehr der Eine Inhalt? Und doch 
soll man wieder nicht sagen dürfen, dafs aus der analysierenden Ein¬ 
heit die Vielheit erst wird“. . . In der vom Verfasser als Beleg für 
seine negative These citierten Stelle aus Stumpfs Tonpsychologie (I. Bd. 
S. 104 ff.) wird gelehrt, dafs Analysieren und Vergleichen nicht mehr 
Anspruch haben, Thätigkeiten (im Gegensatz zu „passiven Ereignissen 
in der Seele“) genannt zu werden, als etwa das Empfinden ; und auch
        

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