Bauhaus-Universität Weimar

Bemerkungen über zwei akustische Apparate. 
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Da 80:81 das Verhältnis eines (diatonischen) Kommas 
darstellt, so kann durch die Zungen 800 und 810 dieser wichtige 
Begriff illustriert werden. Dazu können aber auch schon 
die natürliche und die pythagoreische grolse Terz dienen, die 
ja um diesen Betrag voneinander abstehen. Eben darum läfst 
sich der Zusatzton 810 auch zur Erzeugung weiterer pythago¬ 
reischer Intervalle neben den natürlichen benutzen (die kleine 
Sexte 640 mit 800, dann mit 810 verbunden u. s. f.). 
Sollten die Zusatzzungen nicht blots zur Demonstration, sondern 
zu Untersuchungen über Reinheitsurteile verwendet werden, so müfsten 
mindestens ebensoviele von gleicher Differenz nach unten von 800 bei¬ 
gefügt werden. 
Ursprünglich hatte ich bei den Zusatzzungen nur die Unterschieds- 
empfindlichkeit für Einzeltöne im Auge und liefs sie daher so stimmen, 
dafs sie zwischen 800 und 801 nur um ein oder zwei Zehntel einer 
Schwingung abgestuft waren (800 ; 800,,; 800,s; 800,4; 800,6; 800,801) 
Vielleicht ist die Anführung einiger damit gemachten Erfahrungen 
anderen nützlich, die auch an solche Verfeinerung denken. Es zeigte 
sich, dafs zwar die Stärke der Klänge sehr gleichmäfsig, aber schon die 
Klangfarbe — für diesen Zweck wenigstens — nicht gleichmäfsig 
genug war. Manche Zungen sind, wenn man recht genau hinhört, etwas 
milder als die übrigen. Leicht wird nun einer einen eben merklichen 
Höhenunterschied angeben, während das, was er bemerkt, vielmehr ein 
Unterschied der Farbe ist; und soll er sagen, welcher Ton höher ist, 
so wird er leicht den schärferen für höher halten. Erkennt er aber den 
Farbenunterschied als solchen, so kann ihn dieser durch Ablenkung der 
Aufmerksamkeit in der Höhenvergleichung stören. Nun kann man zwar 
die Farbe beeinflussen durch die Art, wie man das Zäpfchen behandelt : 
wenn man es nämlich nach dem Herausziehen (es mufs stets vollständig 
herausgezogen sein) nicht losläfst, sondern nach oben drückt, wird der 
Klang schärfer, wenn nach unten, milder. Aber hierbei wird auch die 
Höhe geändert, der Ton geht im ersten Fall hinauf, im zweiten hinunter( 
und nicht blofs scheinbar, wie die Schwebungen mit einer anderen Zunge 
lehren. Eine weitere Frage war, inwieweit sich- die Stimmung hält. Die 
vorzügliche Genauigkeit Ai'Pi'NNScher Instrumente ist bekannt. Aber wo 
es sich um Zehntel einer Schwingung handelt, und zwar bei Tönen, die 
800 Schwingungen in der Sekunde machen, sind Verschiebungen doch 
unvermeidlich und zeigten sich denn auch bei wiederholten innerhalb 
eines Vierteljahres und später vorgenommenen Durchprüfungen. Es ist 
daher im allgemeinen zweckmäfsiger, für Schwellenuntersuchungen Stimm¬ 
gabeln anzuwenden (deren Stimmung man auch mit Leichtigkeit regulieren 
und stetig, d. h. um beliebig kleine Beträge, verändern kann), wie dies 
bereits E. Luft und Schischmaxow gethan haben. Freilich bleibt dann 
wieder die Regulierung der Tonstärke, wenn man die Gabeln durch
        

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