Bauhaus-Universität Weimar

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G. Stumpf. 
völliger Mifsklarig), auch den Unterschied der verschiedenen 
kleinen Septimen (die sog. natürliche Septime mit dem Dur¬ 
dreiklang verbunden = 4 : 5 : 6 : 7 wirkt physisch ohne Frage 
angenehmer, als die musikalische), und den Unterschied im 
Wohlklang der kleinen und grofsen Sexte bei so obertonreichen 
Klängen (die kleine nähert sich hier, wenn die Töne zusammen 
angegeben werden, in der That, wie Helmholtz lehrt, den Übel¬ 
klängen1). Dafs der Molldreiklang auf der zweiten Stufe unrein 
ist (weil die grofse Sexte mit der grofsen Sekunde keine reine 
Quinte bildet — eines der Motive zur Temperatur —) wird selbst 
einem wenig musikalischen Ohr sofort deutlich: dieser Dreiklang 
ist untemperiert ein entschiedener Mifsklang. 
Feinere Ohren können sich an der Prüfung der Frage ver¬ 
suchen, ob melodisch (bei blofser Aufeinanderfolge) andere 
Terzen intoniert werden müssen als harmonisch (bei gleich¬ 
zeitigem Erklingen), wie dies immer wieder zu Gunsten der 
pythagoreischen Stimmung von einzelnen behauptet wird, u. s. f. 
Allerdings kann man nicht wie auf dem „Enharmonium“ (natür¬ 
lichem mathematischem Harmonium) Choräle spielen; aber die 
Realität der von Aufsenstehenden so oft bezweifelten oder 
für allzu fein gehaltenen Unterschiede läfst sich mit diesem 
einfacheren Instrument leicht sinnenfällig erweisen. 
Auch dieser Apparat enthält einige Zusatzzungen, nämlich 
800,5, 801, 802, 803, 805, 810. Sie*sollen die ungleiche Empfind¬ 
lichkeit unseres Gehörs gegenüber den verschiedenen Kon¬ 
sonanzen zeigen. Bei der Oktave oder Quinte kann es schon 
merklich werden, wenn man den oberen Ton statt mit 800 mit 
800,5 oder 801 angiebt ; bei der Terz wird eine gröfsere Ver¬ 
stimmung nötig sein. Zur Untersuchung dieser Verhältnisse 
würden diese wenigen und festen Töne natürlich nicht hin¬ 
reichen und Zungen überhaupt unzweckmäfsig sein ; zur ersten 
Demonstration mögen sie genügen. Auch zu Erläuterungen 
und zu Vorstudien über Unterschiedsempfindlichkeit gegenüber 
Einzeltönen : denn diese Region gestattet ungefähr die feinste 
Unterscheidung, und der Unterschied einer halben Schwingung 
liegt nahe der äufsersten bis jetzt erreichten Grenze. 
1 woraus man aber wieder nicht schliefsen darf, dafs ihr diese 
Eigenschaft allgemein zukomme; am Klavier ist schon durch die Tem¬ 
peratur auch dieser Unterschied verwischt.
        

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