Bauhaus-Universität Weimar

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G. Stumpf. 
Streichen oder Schlagen in Schwingung setzt, blofs manueller Geschick¬ 
lichkeit und Übung anheimgegeben. 
Noch möchte ich einer Erscheinung an jenen so wenig ver¬ 
schiedenen Zungen Erwähnung thun, die nach anderer Richtung Interesse 
bieten könnte. Die Zunge 800 gab niemals mit 800,!, auch nicht mit 800,„ 
und 800,4 irgendwelche Schwebungen. Ferner schwebte 801 mit keiner 
der vier nächsttieferen Zungen. Dafs die Zungen nicht wirklich gleiche 
Höhe hatten, liefs sich an der Verschiedenheit der Schwebungen mit etwas 
entfernteren Zungen, vielfach auch durch das Ohr bei successivem 
Erklingen, erkennen. Es fand also eine Accommodation (erzwungene 
Schwingung) statt. Die Erscheinung ist natürlich eine objektive, physi¬ 
kalische. Aber sie dient mit anderen bereits früher angeführten dazu, 
die von mir angenommene physiologische Accommodation der specifischen 
Energien innerhalb enger Grenzen des Reizes (Tonpsych. II, 111 f, 484 f, 
561) durch objektive Analogien zu erläutern. 
Auffallend ist aber auch die gleichzeitige Schwächung der Grund¬ 
töne; die Klangfarbe wird viel dünner. Da ich mich erinnerte, früher 
bei einem Tondifferenzapparat in Jena, der Zehntelschwingungen 
angiebt, beoachtet zu haben, dafs die Grundtöne der Zungen 500 und 500,, 
sich gegenseitig völlig vernichteten, bat ich Herrn Professor Biedermann 
dortselbst, die Erscheinung zu kontrollieren. „Ihre Beobachtung“, schreibt 
er, „ist vollkommen zutreffend gewesen. Ich habe den Versuch nach¬ 
gemacht, und es zeigt sich in der That, dafs beim Anblasen von 500 und 
500,, der Grundton vernichtet wird und der erste Oberton rein hervortritt. 
Je gröfser das Intervall wird (500,2; 500,3 u. s. w.), desto deutlicher macht 
sich daneben wieder der Grundton geltend. Dieselbe Erscheinung tritt 
übrigens auch bei höheren Schwingungszahlen (1000—1000,j) auf. Schwe¬ 
bungen konnte ich erst bei gröfseren Intervallen (500—500,7) hören.“ 
Die Konstanz der Stimmung habe ich auch bei den gegenwärtigen, 
weniger fein abgestuften Zusatzzungen nach vier Monaten geprüft, und 
zwar bei 17 UR., während sie bei 13—15 °R. eingestimmt worden waren. 
800, 800,5 waren noch genau, 802 um ein Zehntel, die folgenden um 
drei bis sechs Zehntel einer Schwingung verstimmt, aber die richtige 
Reihenfolge auch da nicht verschoben. Durch vorsichtiges Abschaben 
kann man die gewünschte Stimmung wiederhersteilen; Abschaben am 
äufseren Ende erhöht, am inneren Ende vertieft. Die Prüfung erfolgt 
am besten, indem man 800 mit einer Gabel von ebensoviel Schwingungen, 
dann 805 mit 800, hierauf die übrigen mit 805 vergleicht, endlich durch 
beliebige andere Kombinationen der Zungen das Ergebnis kontroliert. 
Schliefslich möchte ich, wenn die obigen Instrumente etwa in neu¬ 
zugründende Sammlungen aufgenommen werden, empfehlen, auch für 
die zu einer jeden Sammlung erforderlichen Stimmgabeln auf Resonanz¬ 
kästen den Ton 100 mit seinen Multiplis zu Grunde zu legen. Herr 
Appünn hat mir eine Serie solcher Gabeln geliefert, die den Dur- und 
Moll-Accord für alle Oktaven vom Grundton 100 bis zum Grundton 3200 
(also bis zur Dominante 4800) angeben, einzelne mit Laufgewichten zu 
beliebiger Verstimmung, die Intensität und Dauer des Klanges bei be¬ 
nachbarten Gabeln mit besonderer Sorgfalt möglichst gleichmäfsig
        

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