Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bedeutung der Aphasie für die Musikvorstellung
Person:
Wallaschek, Richard
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit15229/20/
Die Bedeutung der Aphasie für die Musikvorstellung. 
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Aber auch wer an blofsem Figurenspiel wirklich Gefallen 
findet, kommt mit seiner Musikauffassung nicht weit, er bleibt 
in einer beschränkten Anzahl von Kombinationen leicht stecken, 
über die er nicht hinauskommt, da die Zahl der Kombinationen 
für jeden Musiker, der wirklich nur als Figurenspiel vorstellt, 
immer nur eine beschränkte ist. Aus dieser Klasse rekrutieren 
sich die „Konservativen“ in der Musik. Indessen, wir dürfen 
auch ihnen nicht unrecht thun, denn ganz ohne Begeisterung, 
ohne innere Wärme brauchen auch sie nicht zu sein. So wie 
der trockenste Theoretiker an reiner Verstandesarbeit sich 
begeistern kann, wie man an wissenschaftlichen Arbeiten 
mathematischer Lehrsätze sich erbauen kann, obgleich das 
gewifs nicht der Zweck jener Arbeiten ist, so kommt man auch 
bei rein verstandesmäfsiger Verfolgung von Tonkombinationen, 
auf dem Umwege des Intellektes, indirekt, zu der für die 
Wirkung jedes Kunstwerkes unentbehrlichen Begeisterung. 
In solchen Fällen ist die Musikvorstellung eigentlich ein 
abstraktes Denken, wie es der mathematische Lehrsatz ist, 
und man gewinnt allenfalls den Eindruck, dafs die innere 
Gefühlwärme zwar eine Erhöhung des Vergnügens, aber 
durchaus kein charakteristischer Bestandteil der Kunstauffassung 
ist, wie es Herbart thatsächlich gelehrt hat. Wie verschieden 
mufs aber dann der Einflufs einer Geistes- oder Sprachstörung 
auf den musikalischen Ausdruck sein, wenn die Musikvorstellung 
sich aus so verschiedenen Elementen zusammensetzen kann, 
wie wir dies in den bisher besprochenen Gruppen gesehen 
haben. 
3. Schlussfolgerungen. 
Die eben erwähnten Typen der Musikvorstellung sind 
durchaus nicht streng voneinander geschieden, sie schliefsen 
sich nicht immer aus, noch ist ein und dasselbe Individuum 
stets an denselben Typus gebunden. Namentlich wird jener 
Typus, dessen Vorstellung mit dramatischer Aktion associiert 
ist, von hier aus ebensoleicht weiter associieren, als die 
dramatische Aktion überhaupt ein Associationscentrum im 
besten Sinne des Wortes ist. Immerhin: einem oder dem anderen 
Typus giebt jeder der Kegel nach den Vorzug. 
Die Frage, welcher Typus unter Musikern und Laien der 
häufigste sei, ist ungemein schwer zu beantworten, da nirgends
        

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