Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A. E. Fick: Über Ermüdung und Erholung der Netzhaut, Eine Entgegnung, E. Hering: Bemerkungen zu E. Fick's Entgegnung auf die Abhandlung über Ermüdung und Erholung des Sehorgans. Gräfes Arch., Bd. 38, 1, S. 118-126, 1892, Gräfes Arch. 38, 2, S. 252-258, 1892
Person:
König, Arthur
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit15209/1/
Lüteraturbericht. 
421 
M. Sachs. Über die spezifische Lichtabsorption des gelben Fleckes der 
Netzhaut. Pflüg. Arch. Bd. 50. S. 574—586. (1891.; 
in seiner Schrift „Über die individuellen Verschiedenheiten des Farben¬ 
sinnes“ sucht E. Hering den Unterschied zwischen sogenannter Rot¬ 
blindheit und Grünblindheit (im Sinne der Young - HcLMiioi/rzschen 
Farbentheorie) auf die verschiedenen Absorptionsverhältnisse in den¬ 
jenigen Medien zurückzuführen, welche das Licht passieren mufs, ehe 
es die perzipierenden Endigungen des Opticus trifft. Der gröfste Teil 
dieser Absorption findet in dem Pigment der Macula lutea statt, und 
Hering führt in jener Schrift auch bereits einige Versuche an, welche 
den Einflufs dieses Pigmentes auf das Farbensehen beweisen. Genauere 
Untersuchungen wurden damals bereits von ihm in Aussicht gestellt. — 
In der hier vorliegenden Abhandlung, zu welcher die Experimente in 
dem HEWXGSchen Laboratorium an einer gröfseren Anzahl von frisch in 
Glycerin eingebetteten Netzhautstückchen ausgeführt sind, ist nun jenes 
Versprechen eingelöst. 
Zunächst zeigt sich, dafs die Absorption nicht, wie sonst wohl 
angegeben wird, auf die Gegend der FRAUNHOFERsehen Linie F beschränkt 
ist, sondern im Gelbgrünen bereits beginnt und dann nach dem blauen 
Ende des Spektrums hin stets zunimmt, jedoch ist in der genannten 
Spektralregion in den meisten Fallén eine besonders starke Zunahme 
zu konstatieren. Wird bei der Wellenlänge 590 /uu der von dem 
Pigment, durcflgelassene Bruchteil des auffallenden Lichtes als Einheit 
gerechnet,so istbei der Wellenlänge 422 tuu dieser Bruchteil im Durchschnitt 
gleich */». 
Nach der HERiNöschen Anschauung müfste nun dieser Bruchteil, 
wie der Referent an einer anderen Stelle nachgewiesen hat, sehr grofse 
individuelle Verschiedenheiten zeigen; es ergeben sich hier aber nur 
Abweichungen im Höchstbetrage von 2:3, welche also nicht im stände 
sind, die Unterschiede zwischen sogenannter Gelbsichtigbeit und Blau- 
sichtigkeit im HERiNGSchen Sinne (sogenannte Rotblindheit und Grün¬ 
blindheit im YouNG-HEMHOLTzschen Sinne) zu erklären. Die vorliegende 
Arbeit ist als eine sehr wertvolle Erweiterung unserer thatsächlichen 
Kentnnisse zu betrachten. Arthur König. 
A. E. Fick. Über Ermüdung und Erholung der Netzhaut. Eine Ent¬ 
gegnung. Gräfes Archiv. Bd. 38 (1), S. 118—126. (1892.) 
E. Hering. Bemerkungen zu E. Ficks Entgegnung auf die Abhandlung 
über Ermüdung und Erholung des Sehorgans. Gräfes Arch. 38 (2), 
S. 252-258. (1892.) 
A. E. Fick verteidigt seine gemeinsam mit A. Gükber angestellten 
Untersuchungen gegen die HfiRiNGSche Kritik (vergl. Bd. Ill S. 509—510 
dieser Zeitschr.) und beschreibt einige Versuche, welche nach seiner Auf¬ 
fassung mit Herings Erklärung in Widerspruch stehen. Letzterer geht 
in seiner Antikritik nochmals auf die strittigen Punkte ein und bringt 
mehrere neue Beweisgründen für die Richtigkeit seiner Auffassung. — 
Dem Referenten scheint es, als wenn der Einflufs der drei besprochenen 
Faktoren für die Erholung der Netzhaut (Lidschlag, Augenbewegung
        

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