Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Georg Simmel: Einleitung in die Moralwissenschaft, Eine Kritik der ethischen Grundbegriffe, Erster Band, Berlin, Hertz, 1892
Person:
Tönnies, F.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit15197/5/
Litteraturberich t. 
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die absolute Schwingungsweite zwischen Schmerz und Lust angesetzt 
wurde (388). Der Eudämonismus kann auch die Frage nicht umgehen: 
oh Glück gegen den Willen des Beglückten zu fördern sei? wie in Bezug 
auf Kinder geschieht (389). Zuletzt wird sich aber Glück immer als 
subjektiv bedingt erweisen, so dafs eine leere Formel (Wolle was der 
andere will) übrig bliebe (391). — Unabweisliche Forderung: dafs Tugend 
und Glück vereinigt seien (ib.). In Bezug auf ihre Umkehrung die fort¬ 
schreitende Objektivierung: Abwehr — Bachetrieb — Wunsch der Ver¬ 
geltung (393). Sie selbst beruht hingegen sowohl auf thatsächliclier 
Folge von Vorteil auf Tugend, als auf der natürlichen Erscheinung, dafs 
der Glückliche, Bewunderte auch sittliches Vorbild wird (395). Das 
Mafs der Vergeltung ist in beiden Fällen schwierig (397 ff.). In Bezug 
auf die wirkliche Korrespondenz sind sechs Thesen möglich : 1) Identität 
(400) — metaphysisch denkbar, am ehesten in engen sozialen Kreisen 
verwirklicht (402). 2) Tugend Ursache. In einigem Mafse wahr dadurch, 
dafs Vorstellungen die Wirklichkeit selbst umgestalten (404 f.). Die 
Kausalität insbesondere vermittelt durch das Gewissen — d.i. die Gattungs¬ 
erfahrung (408). Jedoch das Mafs der Wirkung eher im umgekehrten Ver¬ 
hältnis zur ethischen Qualität der Person (410 ff.). Äufseres Glück folgt 
oft der Unsittlichkeit, jedoch immer auf Grund der Seltenheit dieser 
Unsittlichkeit (415). Immerhin bleibt eine weite Inkongruenz zwischen 
Legalität und Moralität zu Gunsten des Gewissenlosen (ib. f.). Ebenso 
übel ist die Disproportionalität zwischen positiver, insbesondere wirt¬ 
schaftlicher Leistung und Lohn (417 ff.). 3) Glück Ursache — relativ 
richtig (425), doch auch das Gegenteil : Glück macht hart (429). 4) Nega¬ 
tive Kausalität — diese Meinung beruht auf Wortpessimismus, auf un¬ 
zulässigen Verallgemeinerungen oder auf Irrtümern (430 ff.). 5) Beide 
beruhen in gemeinsamer Ursache, a) der Schönheit (434), wofür wiederum 
die Empfindung aus Gattungserfahrungen des Zweckmäfsigen verstanden 
werden mufs (437 f.). Jedoch auch hier Diskrepanzen: das Gefühl ist 
konservativer als der Verstand (441), daher auch die ästhetische Empfin¬ 
dung mit ihm in Konflikt gerät (442). Obgleich aber z. B. der ästhetische 
Widerstand gegen den Sozialismus stark ist, so kann doch auch ästhetische 
Empfindung (des Massenelends) ihn fördern (443 f.); h) der Beligion — 
es giebt eine tiefe Analogie zwischen dem Verhalten zur Allgemeinheit 
und dem zu Gott (445). Aber die Selbständigkeit der religiösen Normen 
enthält grofse Gefahren (448 f.). Es ist dann allein konsequent, die 
Sittlichkeit nur aus der Beligion zu schöpfen (454). Der sittliche Wille 
ist aber wie jeder an Logik nicht gebunden (456); diese Autonomie mufs 
denn auch dem göttlichen gelassen werden (457). Das religiöse Moral¬ 
prinzip macht das eigene Heil zur Pflicht (458), wobei ein grofser Vorzug 
die Konkurrenzlosigkeit solches Strebens (461). Darnach bleibt das Ver¬ 
hältnis zwischen Beligion und Glück ein zufälliges (463). Erst dazwischen¬ 
stehende psychologische Verhältnisse bedingen ihren eudämonistischen 
Wert (465). 6) In Wahrheit giebt es keine konstante Kausalität dieser 
Art; es treten zu viele variable Gröfsen hinein (466). Die beiden Begriffe 
sind zu umfassend, nach Inhalt und Umfang zu unbestimmt (ib.). 
Soweit der Inhalt dieses Bandes. Wir haben es mit einigen be-
        

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