Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über einige neuere Fortschritte in der Anatomie und Physiologie der Arthropodenaugen
Person:
Fuchs, Sigmund
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit15185/14/
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Sigmund Fuchs. 
und deren kreisförmig begrenzte Umgebung. Die Gröfse dieses 
leuchtenden Kreises hängt vom feineren Baue des Auges, sowie 
von der Stellung der beiden Pigmentlagen ab; er kann, wie 
dies bei Nachtschmetterlingen und Dunkelstellung des Pigmentes 
der Fall ist, mehrere Millimeter messen, er kann aber auch, 
und so verhält es sich normalerweise bei Tagschmetterlingen, 
so klein sein, dafs er nur unter besonders günstigen Verhält¬ 
nissen überhaupt, und da fast nur bei Lupenvergröfserung, 
wahrgenommen wird. Die Erklärung des Augenleuchtens ist 
vollständig dieselbe, wie am Wirbeltierauge. 
Das Verschwinden des Augenleuchtens infolge von Licht¬ 
einwirkung ist bei Nachttieren eine ganz allgemeine Erscheinung; 
bedingt ist dieses Verschwinden durch die bereits beschriebene 
Pigmentverschiebung infolge der Belichtung. Geht das Pigment 
aus der Dunkel- in die Lichtstellung über, so verliert zimächst 
einmal das Netzhautbild beträchtlich an Helligkeit; infolge¬ 
dessen wird auch das vom Augenhintergrunde zurückkehrende 
Licht vermindert; ebenso mufs aber auch der Durchmesser der 
leuchtenden Kreisscheibe mit zunehmender Lichtstellung fort¬ 
während abnehmen und endlich Null werden. Das Leuchten 
ist jetzt verschwunden. Man kann sich sonach jederzeit mit 
dem Augenspiegel von dem Zustande des Irispigmentes am 
lebenden Tiere überzeugen. 
Die Lichtwirkung auf das Irispigment ist weiter — und 
darin liegt gleichfalls ein Unterschied gegenüber dem Wirbel¬ 
tierauge — eine lokale; während die Pupille des letzteren bei 
Belichtung sich im ganzen kontrahiert, kann die leuchtende 
Pseudopupille verschiedene Gestalten annehmen, indem auf 
einen Teil des Auges Licht eingewirkt hat, auf einen anderen 
keines, oder doch weniger. 
Die Beobachtimg mit dem Augenspiegel giebt uns eine 
volle Bestätigung der durch dioptrische Untersuchung gewon¬ 
nenen Resultate; sie zeigt, dafs aus jedem Fazettengliede nur 
in einer sehr bestimmt eingehaltenen Richtung Licht zurück¬ 
kehrt, welches jedoch sehr intensiv ist; wesentlich dieselben 
Verhältnisse müssen demnach auch für das eindringende Licht 
obwalten. Die Kleinheit des leuchtenden Anteiles in der 
Pseudopupille giebt ein Mals für die Schärfe des Netzhaut¬ 
bildes, ja man kann den Lichtpunkt geradezu als das von 
aufsen gesehene Netzhautbild der Sonne auffassen.
        

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