Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ferrero: La crudeltà e la pietà nella femmina e nella donna. Arch. di Psichiatr., XII, f. 5 u. 6, 1891, S. 393-434
Person:
Fraenkel
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit15182/1/
Litteraturberiéht. 
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rung oder Aufhebung der Fähigkeit zum Lesen besteht. Der Betroffene 
erholt sich nach kurzer Pause, fallt aber bei jedem neuen Leseversuch 
in den vorigen Zustand zurück. Diese Erscheinung stellt P. in weit¬ 
gehende Analogie mit dem sogenannten intermittierenden Hinken 
der Menschen und Pferde. Der Analogie der Symptombilder ent¬ 
spricht die Übereinstimmung des anatomischen Vorganges: dort wie 
hier handelt es sich um Erkrankung der Gefäfse, welche in einem Fall 
schwerere Hirnaffektionen, im anderen völlige Obliteration der Beinarterie 
zur Folge hat. Liepmann. 
Ferrero. La crudeltà e la pietà nella femmina e nella donna. Arch, 
di Psichiatr. XII. f. 5 u. 6. (1891.) S. 393—434. 
Im I. Abschnitt seiner Abhandlung belegt Verfasser mit einer 
grofsen Reihe mehr oder weniger bekannter Beispiele den Satz, dafs das 
weibliche Geschlecht bei den Tieren und hei den wilden und antiken 
Nationen mehr grausam als mitleidig ist. Aus alten und neuen Ge¬ 
schichten erfährt man, welche aufregende Rolle Weiber in Kriegen und 
Revolutionen spielen, mit welcher Roheit und raffinierten Grausamkeit 
sie die gefallenen Feinde verhöhnen und verstümmeln, wenn sie in Ge¬ 
meinschaft handeln. Nicht weniger grausam und gefährlicher als bei 
Männern ist der plötzliche Ausbruch der Privatrache bei Weibern, wenn 
sie die Macht dazu besitzen, sobald ihre Eitelkeit oder Ehre verletzt 
wird. Als Beispiele dienen Elisabeth von England und von Rufsland. 
Indes wird der zum Sprichwort gewordene Ausspruch: „Das Weib ver¬ 
zeiht niemals“ durch Mitteilung von Racheakten romanhafter Art bezeugt, 
die nach 10 Jahre lang verhaltenem Ingrimm von Weibern mit aus¬ 
gesuchter Bosheit und List ausgeführt wurden. Das Hemmungsvermögen 
des weiblichen Hirnes ist eben geringer als das des männlichen. — Der 
Neid, dafs eine schöner, talentvoller oder reicher ist als die andere, macht 
sich schon in Mädchenschulen bemerkbar und veranlafst Intriguen und 
Verfolgungen. — Auch ohne persönlich gereizt zu sein, ist das Vergnügen 
an aufregenden, blutigen Schauspielen bei dem weiblichen Geschlecht 
lebhafter als bei dem der Männer. (Beweis: die römischen Damen bei 
den Gladiatorenspielen, die Spanierinnen bei den Stierkämpfen.) — Der 
hervorragende Charakterzug der Frauen ist, den Feind nicht blofs zu 
vernichten, sondern ihn zu martern, während der Mann ihn mit einem 
Schlage tötet. Jede Frau, auch die frömmste, trägt einen Fonds von 
Grausamkeit in sich, der bei Gelegenheit, wenn auch nur auf Momente, 
zum Vorschein kommt. Der Grund dafür ist die Schwäche des Weibes; 
List und Grausamkeit ist die defensive und offensive Reaktionsform 
gegen die Hindernisse im Leben, die in krankhaften Wesen bisweilen 
zur Monstruosität ausartet. — Auch andere schwache Wesen, Kinder, 
Greise, Idioten sind grausam. — Dazu kommt bei der Frau auch die 
geringere Empfindlichkeit für Schmerz, wodurch die Bilder und Vor¬ 
stellungen vom Schmerz anderer im Frauenhirn weniger lebhaft sind, 
als in dem des Mannes. — 
II. Im vollen Widerspruche mit dem Vorhergehenden stehen die 
Thatsachen, die das Mitgefühl (pietà) des Weibes bezeugen. Zahlreiche
        

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