Bauhaus-Universität Weimar

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Litter aturbericht. 
den Weibern, als bei den Männern ist. Aus der Prüfung der Schädel¬ 
kapazitäten ergiebt sich, dafs bei sämtlichen untersuchten Geisteskrank¬ 
heiten die Durchschnittskapazitäten der Männer gröfser sind als die der 
Weiber, ferner dafs die Durchschnittskapazitäten irrer Männer gröfser 
als die normaler, die irrer Frauen kleiner als die normaler Frauen 
sind. Danach erscheinen in Bezug auf die Entstehung der Geisteskrank¬ 
heiten die Geschlechter nicht gleichwertig, so dafs namentlich Frauen¬ 
schädel, die zu klein bleiben und Männerschädel, welche zu grofs werden, 
die gröfsere Disposition zum Erkranken hätten. Aus der Tabelle sämt¬ 
licher Atrophien ergiebt sich ein beträchtliches Überwiegen der Atrophie 
auf der Männerseite; dies hat seine Ursache nicht etwa darin, dafs das 
männliche Geschlecht zufolge spezifischer Eigenschaften die Disposition 
zu intensiverer Hirnatrophie in sich trüge, sondern sie erklärt sich aus 
der bedeuteren Gröfse des männlichen Gehirns und daraus, dafs die 
Gröfse der Atrophie in direktem Verhältnis stehen mufs zur Gröfse des 
Gehirns. Verfasser knüpft noch neben litterarischen Bemerkungen 
interessante Betrachtungen an über das Verhältnis der Pubertäts¬ 
entwickelung zur Entstehung von Geisteskrankheiten und weist mit 
Recht auf die mannigfachen intimen Beziehungen der weiblichen Ge¬ 
schlechtssphäre zu psychischen Affektionen hin. 
A. Lewandowski (Berlin). 
A. Richter. Über Ausgüsse von Schädeln Geisteskranker. Virchows 
Arch. Bd. 128. S. 224 ff. (1892.) 
Verfasser führt seine soeben besprochenen Untersuchungen in 
dieser Arbeit fort, indem er vermittelst eines sinnreichen Apparates 
Schädelausgüsse in gröfser Anzahl mafs. Es ergab sich, dafs die Aus¬ 
güsse von Idioten unter den männlichen Krankheitsformen die geringste 
Länge und Breite aufzuweisen haben. Bei weiblicher Idiotie besteht 
die geringste Länge unter allen weiblichen Krankheitsformen. Verfasser 
nimmt Gelegenheit, eine besonders in Sektionsprotokollen häufig sich 
findende Ansicht richtig zu stellen, dafs nämlich die Hinterhauptslappen 
das Kleinhirn nicht bedeckten. Nach des Verfassers Untersuchungen 
bedecken sie es immer. Verfasser weist ferner darauf hin, dafs man 
nur sehr vorsichtig von der äufseren Form eines Schädels auf seine 
innere Gestaltung schliefsen darf; es mildern sich offenbar auf dem 
Wege von der äufseren Knochentafel zur inneren die äufseren Ab¬ 
weichungen ab und das Gehirn wirkt während seiner Entwickelung im 
Inneren ausgleichend. Es ist im übrigen keine Seltenheit, dafs oft die 
beträchtlichsten Schädeldeformitäten mit vollkommener Geistesgesundheit, 
ja geistiger Hervorragung vergesellschaftet sind. Die Schädeldeformität 
kann sich unter Adaption des Gehirns vollziehen, ohne es selbst er¬ 
kranken zu machen. A. Lewandowski (Berlin). 
A. Pick. Zur Lehre von der Dyslexie. Neurolog. Centralbl. 1891. No. 5. 
(3 S.) 
Unter Dyslexie versteht man eine Störung, deren Hauptcharakter 
in der nach voraufgegangenem korrekten Lesen eintretenden Verminde-
        

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