Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A. Binet: Les mouvements de manège chez les insects. Revue philos., 1892, No. 2, S. 113-135
Person:
Schaefer
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit15178/1/
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Litteraturbericht. 
In einem speziellen Falle soll jedoch nach dem Verfasser das 
Wiedererkennen einer einfachen Empfindung A noch auf eine andere 
Weise zu stände kommen können, nämlich dann, „wenn man eine Em¬ 
pfindung A gehabt hat und nach dem Verlauf der Zeit t eine andere 
Empfindung x kommt, von der man entscheiden soll, oh dieselbe A 
gleich oder davon verschieden ist“. In diesem Falle soll „eine solche 
Schätzung (zufolge der Berührungstheorie) nicht möglich sein, wenn 
nicht ein Erinnerungsbild « von A besteht,, mit welchem die gegen¬ 
wärtige Empfindung sich vergleichen läfst.“ Dieses « soll jedoch nicht 
durch A erst reproduziert werden, sondern es soll als ein willkürlich 
reproduziertes Erinnerungsbild aufzufassen sein. Mit Hülfe von experi¬ 
mentellen Untersuchungen hatte nun Verfasser in der ersten Abhandlung 
eine Entscheidung zwischen dieser seiner Anschauung und der Annahme 
der Ähnlichkeits-Hypothese, nach welcher die Empfindung A dadurch 
wieder erkannt wird, dafs sie Erinnerungsbilder von den früheren A- 
Empfindungen reproduziert und mit diesen verschmilzt, herbeizuführen 
gesucht. Da die Beweiskraft der erhaltenen Versuchsresultate indessen 
von Hoffding, und zwar mit vollem Hechte, angezweifelt wurde, so hat 
Verfasser neue Versuche angestellt und zwar in folgender Weise: Der 
Versuchsperson wurde zuerst ein Schallreiz von bestimmter Intensität 
(Normalreiz) angegeben und darauf nach einiger Zeit entweder derselbe 
oder ein stärkerer oder ein schwächerer Schallreiz, und die Versuchs¬ 
person hatte zu entscheiden, ob der zweite Reiz dem ersten gleich oder 
davon verschieden war. Es ergab sich, dafs, wie schon früher Starke, 
Merkel u. a. gefunden haben, eine Tendenz zur Überschätzung der Inten¬ 
sität des zweiten Schallreizes besteht. Verfasser betrachtet diese That- 
sache als einen Beweis für seine Anschauung, da diese Neigung bei 
bewufster Vergleichung der zweiten Empfindung mit dem an Intensität 
schwächer gewordenen Erinnerungsbilde der ersten Empfindung not¬ 
wendig bestehen müsse. Zwei weitere mitgeteilte Versuchsreihen, welche 
den Einflufs der Gröfse des Intervalls auf den konstanten Zeitfehler 
zeigen sollen, sind völlig wertlos, da bei der einen Versuchsreihe auf 
jedes untersuchte Intervall nur 60 nach der Methode der r- u. /'-Fälle 
ausgeführte Versuche kommen und da in der anderen Versuchsreihe für 
jedes untersuchte Intervall nur eine einzige Bestimmung der oberen und 
der unteren Unterschiedsschwelle mit Hülfe der Methode der eben merk¬ 
lichen Unterschiede ausgeführt ist. 
Eine eingehende Kritik der beiden Abhandlungen des Verfassers 
dürfte zu dem Resultate führen, dafs Verfasser weder in experimenteller 
noch in theoretischer Beziehung sich dem behandelten Probleme ge¬ 
wachsen gezeigt hat. Schumann (Göttingen). 
A. Binet. Les mouvements de manège chez les insects. Bevue philos. 
1892. No. 2. S. 113—135. 
Eine sichere Methode, Manegebewegungen bei Insekten zu erzeugen, 
ist die Zerstörung eines der Cerebroidganglien. Vorsichtig Operierte 
lassen sich wochenlang am Leben erhalten. Sie haben ein für allemal 
die Fähigkeit verloren, sich geradlinig fortzubewegen, beschreiben viel-
        

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