Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Götz Martius: Über den Einfluß der Intensität der Reize auf die Reaktionsdauer der Klänge. Wundts Philos. Studien, VII, 3, S. 469-486, 1891
Person:
Pilzecker
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit15171/1/
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Litteraturbericht. 
Der Inhalt des vorzüglich ausgestatteten Werkes besteht in den 
Vorträgen über Akustik, welche der Verfasser am Konservatorium der 
Gesellschaft der Musikfreundein Wien gehalten hat; dadurch ist das Physio¬ 
logische und Musikalische viel mehr in den Vordergrund getreten, als es 
sonst in Lehr-und Handbüchern der Akustik der Fall zu sein pflegt. Die 
zahlreichen Experimente, welche die Vorträge begleiteten, sind hier durch 
eine reiche Fülle guter Textillustrationen thunlichst ersetzt. Die Dar¬ 
stellung ist fast durchweg ansprechend und verständlich, auch für die¬ 
jenigen, — und an solche wendet sich das Buch in erster Linie, — welche 
über keine physikalischen Vorkenntnisse verfügen ; nur da, wo der Ver¬ 
fasser historische Fragen berührt, rathen wir ihm bei einer zweiten Auf¬ 
lage den Ausdruck etwas sorgfältiger zu feilen. Seltsam berührt es, 
wenn unter der benutzten Litteratur (— wir können freilich die Offen¬ 
herzigkeit nur loben —) Meyers Konversationslexikon erwähnt wird 
(Bd. II. S. 328). 
Das eingehende Studium des Werkes sei (abgesehen freilich von den 
am Ende des zweiten Bandes aufgenommenen „Biographischen Notizen“, 
welche sehr reich an Fehlern sind), jedem, der ein tieferes Verständnis 
der Musik gewinnen will, bestens empfohlen. Arthur König. 
Götz Martius. Über den Einflufs der Intensität der Reize auf die 
Reaktionsdauer der Klänge. Wundts Philos. Studien, VII. 3. S. 469 
bis 486. (1891.) 
Im Anschlufs an seine im VI. Bande der Philos. Studien veröffent¬ 
lichte Arbeit über die Reaktionszeit und Perzeptionsdauer der Klänge 
sucht Verfasser die dort offen gebliebene Frage nach dem Einflufs der 
Stärkeverhältnisse der Töne auf die Reaktionszeit zu entscheiden. Die 
Abstufung nach fünf verschiedenen Intensitäten (sehr stark, stark, mittel¬ 
stark, schwach, sehr schwach) wurde der manuellen Geschicklichkeit 
des die Saite mit einem Eisenstäbchen Anschlagenden überlassen, im 
übrigen dieselbe Versuchsanordnung benutzt, wie in vorerwähnter Unter¬ 
suchung. Dabei liefs sich für zwei Versuchspersonen durch fortgesetzte 
Übung ein Punkt erreichen, an dem eine Ausgleichung der Reaktionszeit 
für verschieden starke Reize eintrat. Das übereinstimmend davon ab¬ 
weichende Resultat aller bisherigen Forscher, wonach mit abnehmender 
Intensität der Reize die Reaktionszeit zunimmt, sieht G. M. bedingt 
durch die in der „Langsamkeit der Perzeption schwacher Eindrücke und 
der Langsamkeit ihrer Koordination mit der Bewegung“ gesetzte 
Schwierigkeit der Ausführung der verkürzten (muskulären) Reaktions¬ 
weise, die erst überwunden werden müsse. Für sehr schwache, der 
Reizschwelle nahe liegende Reize läfst sich, wie Verfasser auf Grund 
orientierender Versuche vermutet, genannte Schwierigkeit überhaupt 
nicht beseitigen. 
Zum Schlufs giebt Verfasser den in obenerwähnter Arbeit gemachten 
Vorschlag, aus den Differenzen der Reaktionszeit von Geräuschen und 
Tönen die Anzahl der zur Entstehung einer Tonempfindung nötigen 
Schwingungen zu berechnen, auf und versucht diese dadurch zu finden, 
dafs er die Differenz der Reaktionszeit eines tieferen Tones und c4 in
        

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