Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A. Kirschmann: Die psychologisch-ästhetische Bedeutung des Licht -und Farbenkontrastes
Person:
Liepmann
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit15169/1/
Litteraturbericht. 
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Nebenbei konstatierte dann Ch. noch, dafs von zwei der Dauer und 
Intensität nach gleichen Reizen, welche so schnell aufeinander folgen, 
dafs sie gleichzeitig erscheinen, der erste als der intensivere erscheint. Ferner 
fand er, dafs hei allmählicher Vergröfserung des Intervalls zwischen den 
beiden Lichtblitzen zuerst ein Moment kommt, wo man zwar einen 
zeitlichen Unterschied erkennt, aber sich noch leicht über die Reihen¬ 
folge der beiden Reize täuscht. 
Eine ältere Untersuchung Exners (Exp. Untersuchung der einfachsten 
psych. Prozesse, III. Abhandlung, Pflügers Arch. XI. S. 403 ff.), welche 
sich ebenfalls mit der Bestimmung der eben merkbaren zeitlichen Diffe¬ 
renz zwischen zwei aufeinander folgenden Lichtblitzen beschäftigte und 
welche schon zu einigen der obigen Resultate geführt hat, scheint 
dem Verfasser unbekannt geblieben zu sein. Schümann (Göttingen). 
A. Kirschmann. Die psychologisch-ästhetische Bedeutung des Licht- 
und Farbenkontrastes. Wundts Phil. Stud. VII, 3. S. 362—393. 
Schon in dem Verhältnis des Kunstwerks zur Umgebung weist K. 
die Wirkung des Simultankontrastes nach. Daraus ergeben sich eine 
Reihe von Lehren betreffs der Wahl des Aufstellungsortes, der Wand¬ 
farbe, des Rahmens u. s. w. 
Vor allem aber wird die Bedeutung des Kontrastes für die Ermög¬ 
lichung einer getreuen Wiedergabe der Wirklichkeit erwiesen, wobei 
diese Leistung sehr treffend als eine ganz aufserhalb des Streites zwischen 
Realismus und Idealismus stehende Bedingung jeder künstlerischen 
Wirkung gefordert wird — unter Protest gegen eine dies verkennende 
unpsychologische Verwirrung. 
Insbesondere zeigt P. an Helligkeitsmessungen, dafs die dem Maler 
zur Verfügung stehenden Pigmente nicht entfernt im stände sind, die 
Helligkeitsdifferenzen der Natur wiederzugeben. Hier ermöglicht allein 
die geschickte Benutzung des Kontrastes dem Künstler, die Helligkeits¬ 
unterschiede in ihrem Empfindlings- und Gefühlswerte denen der Wirk¬ 
lichkeit nahe zu bringen. 
Darin dafs der Kontrast der Helligkeit, der der Sättigung und des 
Gefühlstons neben dem Farbenkontrast bisher zu sehr vernachlässigt 
sei, sieht K. den Grund für die noch so unzureichende Einsicht in der 
Gesetzmäfsigkeit der Wirkung von Farbenzusammenstellungen. — 
Die glückliche Vereinigung der Beherrschung der physiologisch¬ 
psychologischen Verhältnisse mit einem sehr verfeinerten Blick ermög¬ 
lichen es dem Verfasser, eine Reihe weiterer lehrreicher, an einzelnen 
Kunstwerken erläuterter Bemerkungen zu machen — auch bezüglich 
mehrerer nicht direkt den Kontrast betreffender Momente künstlerischer 
Wirkung. Liepmann. 
L. A. Zellner. Vorträge über Akustik. Zwei Bände mit 331 Abb. und 
20 Beilagen. X, 420 S. und VII, 346 S. Wien, Pest und Leipzig, 
1892. A. Hartlebens Verlag.
        

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