Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A. Charpentier: Dissociation des impressions lumineuses successives par des zones différentes de la rétine. Arch. de physiol., 1891, S. 674-686
Person:
Schumann
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit15168/1/
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Litteraiurbericht. 
Nachbild folgt dann rasch ein positives Nachbild, dessen Dauer von der 
Stärke des primären Reizes und dem jeweiligen Zustande des Auges 
abhängt, und welches in der Regel durch mehrere Sekunden in allmäh¬ 
lich abnehmender Stärke wahrgenommen werden kann. Nicht selten 
nimmt man nach diesem positiven noch ein zweites negatives Nach¬ 
bild wahr. 
2. "Was bisher in der Regel (von Helmholtz, Pick und anderen) als 
das Abklingen der durch den Lichtreiz gesetzten Erregung beschrieben 
worden ist, entspricht unter den beschriebenen Umständen in Wirklich¬ 
keit nicht diesem, sondern dem Abklingen des positiven Nachbildes. 
Dieses positive Nachbild darf nicht, wie es bisher meist geschah, einfach 
aus der Fortdauer und dem allmählichen Abklingen der durch den 
Lichtreiz im Sehorgane hervorgerufenen Erregung erklärt werden; denn 
dasselbe ist von dieser letzteren regelmäfsig durch eine negative Phase 
getrennt. 
3. Zur Erklärung einer Reihe von Erscheinungen, welche nach kurz¬ 
dauernder Reizung des Sehorgans beobachtet werden, sind von ver¬ 
schiedenen Forschern Annahmen gemacht worden, welche sämtlich von 
der Voraussetzung ausgehen, dafs das positve Nachbild durch das all¬ 
mähliche Abklingen der primären Erregung zu stände komme. Durch 
den Nachweis, dal’s die primäre Erregung in fast unmefsbar kurzer Zeit 
abklingt und dafs dem Auftreten des positiven Nachbildes eine negative 
Phase vorausgeht, werden alle diese Erklärungen hinfällig. 
4. Auch wenn man von der Auffassung der positiven Nachbilder 
und den Beziehungen derselben zur primären Erregung zunächst ganz 
absieht, so vermag eine Theorie, nach welcher die Empfindung Weifs 
durch die gleichzeitige Erregung verschiedener farbig empfindender 
nervöser Elemente zu stand? kommen soll, die beschriebenen Thatsacheu 
in keiner Weise zu erklären. Vielmehr ist zum Verständnisse derselben 
die Annahme einer von der farbigen Empfindungsreihe mehr oder weniger 
unabhängigen farblosen, von den weifsen Valenzen der Reizlichter ab¬ 
hängigen Empfindungsreihe unerläfslich. 
Der Verfasser würde den Wert seiner interessanten Abhandlung noch 
beträchtlich erhöht haben, wenn er eine Begründung der vierten These 
hinzugefügt hätte. Arthur Köxiu. 
A. Charpentier. Dissociation des impressions lumineuses successives 
par des zones différentes de la rétine. Arch, de physiologie. 1891. 
S. 674—686. 
Ch. bestimmte den Einflufs verschiedener Umstände auf die Wahr¬ 
nehmbarkeit des Zeitunterschiedes zwischen den successiven momentanen 
Erleuchtungen der oberen und der unteren Hälfte eines vertikalen 
Spaltes. Es ergab sich, dafs die folgenden Umstände die Unterscheidungs- 
fähigheit erhöhten: 1. indirektes Sehen, 2. Vergröfserung des Spaltes, 
3, Übereinandergreifen der successive erleuchteten Flächen, 4. Übung. 
Fast ohne Einflufs war dagegen die Variierung der Intensität des 
Lichtes. Der kleinste Zeitunterschied, welcher unter den günstigsten 
Verhältnissen noch erkannt werden konnte, betrug 0,0025 Sekunden.
        

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