Bauhaus-Universität Weimar

Uber die sogenannte Conscience musculaire (Duchenne). 
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desselben durch Schlufs der Augen überall nicht die Bede sein 
kann ; dies hier nochmals im Detail auszuführen, wäre wohl zu 
weitläufig; als bemerkenswert möchten wir aber doch aus den 
Erörterungen hervorheben, wie auch Binet und FÊRÉ das 
Schwergewicht auf den psychischen Faktor legen und nur in 
der Deutung des Zusammenhanges eine andere Ansicht äufsern. 
In der Auseinandersetzung endlich mit der von Baymond 
neuerlich veröffentlichten Theorie können wir uns gleichfalls 
kurz fassen ; obwohl auch er den cerebralen, gelegentlich auch 
den psychischen Charakter der Conscience musculaire betont, 
basiert er dieselbe ausschliefslich auf den Thatsachen von der 
substituierenden Funktion des Gesichts oder Gehörs. Die in 
unseren Beobachtungen niedergelegten Thatsachen, vor allem 
der Nachweis, dafs die gleichen Erscheinungen, wie sie Baymond 
ausschliefslich bei Schlufs oder Ausschaltung der Augen oder 
Ohren kennt, unter ganz anderen, von sensorischer Kontrolle 
fernabliegenden Y er Suchsbedingungen zu stände kommen, zeigen, 
dafs diese sensible Kontrolle jedenfalls nicht die Ursache der 
Erscheinung ist; während Baymond seine Übereinstimmung mit 
der 1887 veröffentlichten Mitteilung von Pitres betont, müssen 
auch ihn dessen seitherige, von uns eingangs mitgeteilte 
Beobachtungen zu der gleichen Abkehr von der rein senso- 
motorischen Theorie veranlassen; überdies trifft gerade für 
Baymonds Theorie der im folgenden erwähnte Einwand Jastro- 
witz’ in vollem Mafse zu. 
Fassen wir zum Schlüsse die Bedeutung des hier gewonnenen 
Standpunktes zusammen, so liegt dieselbe vor allem darin, dafs 
durch denselben nicht eine neue, anderen Fällen überhaupt 
nicht zukommende Funktion statuiert wird, wogegen sich ein 
Einwand mit Becht kehrt, den Jastrowitz1 gelegentlich der 
Besprechung unseres Gegenstandes macht ; indem er sich auf 
die positiven anderen Fälle beruft, welche beweisen, dafs auch 
beim Fortfalle aller kinästhetischen Empfindungen Lähmung 
nicht aufzutreten pflegt, und als Beispiel dafür einen Fall von 
Grasset mit Sektionsbefund (Bindenläsion) anführt, zweifelt er 
die Beweiskräftigkeit der an Hysterischen gemachten Beobach¬ 
tungen an, resp. verwirft deren Verwertbarkeit für eine so 
wichtige naturwissenschaftliche Frage. 
1 Beitr. z. Lokalisation im Grofshirn, 1888, S. 54. Vergl. dazu auch 
Waller, The sense of effort in Brain, 1891, pag. 239.
        

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