Bauhaus-Universität Weimar

Über die sogenannte Conscience musculaire {Duchenne). 193 
andere übergeht, von welcher sie durch die von derselben zum 
Zentrum gelangenden kinästhetischen Empfindungen gefesselt 
wird. 
Wird bei, den vorigen, gleichen Yersuchsbedingungen das 
linke Auge mit dem Diaphragma verdeckt, so tritt keine Unter¬ 
brechung der Bewegungen ein, dabei ist der Blick des rechten 
dauernd gespannt auf die rechte Hand gerichtet ; wird das 
Diaphragma vor beide Augen geschoben, bleibt die rechte 
Hand sofort (geschlossen) in Ruhe; eine Wiederholung des Ver¬ 
suches hat dasselbe Ergebnis, nur zeigt sich eine leichte Un¬ 
sicherheit und Verzögerung beim Aufhören der Bewegungen, 
die Hand bleibt halb geöffnet. — 
Der vorliegende Versuch bietet der Erklärung nicht geringe 
Schwierigkeiten, die, wie wir glauben, ungezwungen in dieser Weise 
beseitigt werden; da der Blick der Kranken scharf auf die 
rechte Hand fixiert ist, wird das vor das linke Auge geschobene 
Diaphragma nicht soviel von der Aufmerksamkeit absorbieren, 
dafs eine Wirkung eintritt, was jedoch alsbald in voller Stärke 
der Fall ist, sowie auch das rechte Auge unter die Wirkung 
des Schirmes fällt ; es ist, wie wenn im ersten Falle der Schirm 
nicht in das Blickfeld der Aufmerksamkeit, im zweiten Falle 
jedoch direkt in den Blickpunkt derselben zu stehen käme. — 
Interessant ist auch, dafs einmal die Hand geschlossen, ein 
andermal halb geöffnet fixiert bleibt, insofern dadurch erwiesen 
wird, dafs dabei ein sich verschiedenartig erschöpfender Faktor 
in Frage kommt. Es ist von vornherein wahrscheinlich, dafs 
nicht die sensible Kontrolle in Frage kommt ; der nachfolgende 
Versuch spricht noch mehr dafür. 
Patientin spielt mit den Fingern der rechten Hand Klavier, 
dieselbe mit beiden Augen scharf fixierend; wird nun vor das 
rechte Auge ein Diaphragma geschoben, so werden die Be¬ 
wegungen allmählich langsamer, mangelhafter, hören schliefs- 
lich ganz auf (der Blick der Kranken bekommt dabei einen 
eigentümlich starren Ausdruck). Läfst man bei Wiederaufnahme 
des Versuches, während Patientin mit beiden Augen auf die 
rechte Hand blickt, etwas nach links fixieren, so tritt eine 
leichte Verlangsamung und Unregelmäfsigkeit des Klavierspiels 
ein; eine diesbezügliche Frage ergiebt, dafs die Kranke dabei 
noch die rechte Hand sieht; bemerkenswert ist noch, dafs 
Patientin beim ersten Male zweimal aufgefordert werden mufs, 
Zeitschrift für Psychologie IV.
        

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