Bauhaus-Universität Weimar

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A. Pick. 
dauernder Ablenkung seien nun die nachststehenden Versuche 
mitgeteilt. 
Während die Kranke mit den Fingern beider Hände 
regelmäfsige, natürlich allereinfachste1 Klavierspiel-Be wegungen 
ausführt, wird sie zum Sprechen veranlafst, zumeist durch 
Fragen über sie besonders interessierende Dinge; sehr bald 
wird dabei die Sprache häsitierend, stockend, stotternd; dann 
werden wieder die Bewegungen der Hände, besonders der 
rechten, unregelmäfsig oder ganz unterbrochen; dabei fixiert 
die Kranke noch fester als sonst die rechte Hand; zuweilen 
läfst sich ein Alternieren der beschriebenen Störung zwischen 
Sprache und Bewegungen der Hände nicht verkennen, so dafs 
man sich nicht dem Eindrücke entziehen kann, dafs ähnlich 
wie bei später mitgeteilten Versuchen ein Hin- und Herwandern 
der Aufmerksamkeit zwischen Hand und Sprache statthat. 
Diesem Umstande ist es offenbar auch zuzuschreiben, dafs 
Versuche mit der gleichen Versuchsanordnung nicht immer 
identische Resultate ergeben. So lautet z. B. der Versuch 
einmal so : Versucht man, die Kranke, während sie bei geöffneten 
Augen mit beiden Händen Klavier spielt, zum Sprechen zu 
bringen, so beobachtet man zuerst, dafs die Bewegungen etwas 
langsamer und ungeschickt werden, die Kranke dabei fort¬ 
während Versuche zum Sprechen macht, die erst nach einiger 
Zeit zum Ziele führen, wobei die Kranke so wie schon be¬ 
schrieben stottert. (Ähnliche Variationen finden sich noch 
verschiedentlich mitgeteilt.) Ein Vikariieren der Aufmerk¬ 
samkeit tritt auch darin namentlich sehr prägnant hervor, dafs 
im Momente, wo durch Ablenkung des Blickes die Bewegung 
der rechten Hand aufhört, auch die Sprache sofort frei wird. 
Wird der gleiche Versuch blofs bei Klavierspiel-Bewegungen 
der linken Hand gemacht, so ist das Stottern nur angedeutet; 
andere Male ist jedoch auch dabei die Störung eine intensivere. 
Der hier resümierte Versuch gelingt regelmäfsig, auch wenn 
derselbe unauffällig bei der Visite gemacht wird; länger fort¬ 
gesetzt, wird die Sprache hochgradig gestört; die Versuche 
werden aber im Hinblick auf die auf der Klinik gemachten 
Erfahrungen hinsichtlich des hysterischen Stotterns (vergl. 
1 Die gleichen Bewegungen sind auch im folgenden immer gemeint, 
wenn vom „Klavierspiel“ die Rede ist.
        

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