Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Guicciardi: Gli Idioti. Riv. di Freniatr., Vol. XVII, F.1 u. 2, 1891, S.172-189
Person:
Fraenkel
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit15149/1/
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Litteraturbericht. 
als Bewegungs- oder Lautbild oder beides dem Geiste gegenwärtig ist,, 
es unnötig macht, dafs die Innervation der Schreibbewegungen von dem 
betreffenden Bewegungs- oder Lautbild aus Buchstabe für Buchstabe 
geschieht, vielmehr die Innervation der ganzen entsprechenden Kombi¬ 
nation von Schreibwegungen von dem vollständig vorhandenen Be¬ 
wegungs- oder Klangbild des Wortes geschehen lassen kann resp. mufs : 
2. die Thatsache der automatischen Orthographie, der wir beim 
Geübten selbst beim flüchtigsten Spontanschreiben und beim mecha¬ 
nischen Schreiben nach Diktat begegnen : 
3. die Fehler und Auslassungen beim flüchtigen Schreiben, welche,, 
wenn alles Schreiben buchstabierend geschähe, sämtlich oder wesentlich 
Gedankenfehler sein müfsten, während in Wirklichkeit oft genug, so in 
der Auslassung von Wörtern, Silben, in den falschen Silbenzusammen¬ 
stellungen, in der Verschiebung oder Auslassung von Buchstaben etc.,, 
die Inkongruenz des Gedachten und Geschriebenen deutlich ist; 
4. die Thatsachen des automatischen Schreibens bei Hypnotisierten,, 
die man dazu bringen kann, dafs sie, ohne es zu beabsichtigen oder zu 
bemerken, Fragen schriftlich beantworten, während man sich mit ihnen 
über beliebige Dinge unterhält, und die automatisch Dinge, an die sie 
sich willkürlich nicht erinnern können, niederschreiben. 
Peretti (Herzig). 
Guicciardi. ßli Idioti. Rio. di Freniatr. Vol. XVII, F. 1 und 2 i,1B91) 
S. 172-189. 
G. geht von Solliers Psychologie del'idiot et de l'imbécile (Paris 1891)1 
aus und stellt mit ihm, im Gegensatz zu anderen Betrachtungsweisen, die- 
Aufmerksamkeit als die wesentlichste Bedingung für die geistige 
Entwickelung in den Vordergrund seiner Erörterungen. Danach unter¬ 
scheidet er: absolute Idiotie, wo die Aufmerksamkeit unmöglich 
ist, also gänzlich fehlt; einfache, wo sie schwierig und gering; Im- 
bezilität, wo sie unstät und flüchtig ist. Xahe liegt es, die physischen 
Zustände mit denen des Kindes, des Wilden zu vergleichen, auch ihr Ver¬ 
hältnis zu den Degenerativformen der Geisteskrankheit zu betrachten, 
Morel hat für die Degeneration nur die Erblichkeit als ursächliches. 
Moment gelten lassen. Heuere haben die physikalisch-chemischen, 
biologischen und sozialen Einflüsse und die D.uuvixsche Zuchtwahl heran¬ 
gezogen. 
Als antisoziales Wesen (Tonnisi) rangiert der Idiot einerseits¬ 
unter den mit psychischem Defekt belasteten Geisteskranken 
andererseits ist er ein zurückgebliebener Urmensch (primitivo). Die 
Feuerlandsbewohner, Buschmänner, Australier u. s. w. gleichen nicht blofs- 
dem Kinde, sondern auch dem Idioten; sogar die Affen sind (Lübbock) 
dem Menschen ähnlicher als z. B. die Lappen. Kindisch erregbar, un¬ 
bekümmert um den nächsten Tag, mitleidslos, ohne höhere (religiöse) 
Idee, gleicht der sogenannte Wilde selbst in der Sprechweise, in Haltung, 
und Schädelbildung dem Kinde und dem Idioten. 
1 Deutsche Ausgabe: „Der Idiot und der Imbecille.'1 Übersetzt von1 
Paul Brie. Hamburg 1891. L. Voss. (Vgl. diese Zeitschr. Bd. III. S. 240,)
        

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