Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Löwenfeld: Über zwei Fälle von amnestischer Aphasie nebst Bemerkungen über die centralen Vorgänge beim Lesen und Schreiben. Deutsche Zeitschrift für Nervenheilkunde, II, 1, S. 1–42, Dezbr. 1891
Person:
Peretti
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit15147/1/
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Litteraturbericht. 
klinischen Beobachtungen die Anschauung, dafs man den Sitz der ele¬ 
mentaren Sinnesempfindung, sowie der vollkommenen Wahrnehmung und 
daher auch der Halluzinationen in den betreffenden Zentren der Grofs- 
hirnrinde zu suchen hat. — Grob anatomische Rindenherde schliefsen 
zwar Halluzinationen nicht aus, aber sie scheinen doch eher den Orga¬ 
nismus der Wahrnehmung zu zerstören, als die molekularen Verände¬ 
rungen zu beeinflussen, an die normale Sinneswahrnehmungen und Hallu¬ 
zinationen gebunden sind. 
Ganz wie eine normale Sinnesempfindung geht die Halluzination, 
die durch örtliche Reizung des Sinneszentrums entsteht, zahlreiche Asso¬ 
ziationen mit Erinnerungsbildern gleicher oder ähnlicher Wahrnehmung 
etc. ein und ergänzt sich so aus dem Bewufstseinsinhalte ; andererseits 
tritt sie, wie auch eine Vorstellung das Endresultat einer Kette von 
Gedankengängen ist, als Resultat innerlich bedingter Gedankengänge 
auf, indem sie die sinnliche Qualität als Halluzination durch die ge¬ 
steigerte Erregbarkeit des Sinneszentrums erhält. 
Neben der gesteigerten Erregbarkeit des Sinneszentrums kann bei 
der Halluzination auch eine solche der peripheren Sinnesbahn vorhanden 
sein, und es scheint, dafs bei rein zentral bedingten Halluzinationen ein 
zentrifugales Mitschwingen in der peripheren Bahn bis zum Sinnesorgan 
stattfinden kann. 
2. Halluzinationen im Bewegungsgebiet. Eine normale Be¬ 
wegung „wird immer nur hervorgerufen durch einen sensiblen Faktor, 
der ein Bedürfnis ausdrückt, das Streben erzeugt, ein Lustgefühl herbei¬ 
zuführen, ein Unlustgefühl abzuhalten. Erreicht dies Gefühl eine ge¬ 
nügende Intensität, so findet von den sensiblen Rindenzellen aus, als der 
Grundlage desselben, eine Überarbeitung statt zu den motorischen 
Ganglienzellen und von hier aus Auslösung der Bewegung, welche Aus¬ 
lösung als motorische Innervation, Willensimpuls empfunden wird...... 
Eine gesteigerte Erregbarkeit und wirkliche Erregung des motorischen 
Rindenzentrums — dessen Funktion die Innervation ist — und krank¬ 
hafte Reizung führt zu spontan ausgelösten Bewegungsimpulsen, welche 
analog wie bei den sensoriellen Halluzinationen ihren Inhalt rückwärts 
aus bewufsten und unbewufsten Vorstellungen erhalten oder ihrer Art 
und Richtung nach ergänzen. Diese sind also die Halluzinationen der 
psychomotorischen Centra.“ Als der Sitz der Innervationen, der Willens¬ 
impulse haben wir die Grofshirnrinde anzusehen. 
Peretti (Merzig). 
Löweneeld. Über zwei Fälle von amnestischer Aphasie nebst Be¬ 
merkungen über die centralen Vorgänge beim Lesen und Schreiben. 
Deutsche Zeitschrift für Nervenheilkunde. II, 1. S. 1—42. (Dezbr. 1891). 
Bei Besprechung eines eigentümlichen Falles amnestischer Aphasie 
hatte Grashey sich zu der Anschauung bekannt, dafs sowohl das Sprechen, 
als auch das Lesen und Schreiben nur buchstabierend vor sich gehe. 
Danach würde das gelesene Wort nicht als Gesamtbild perzipiert und 
von demselben nicht sogleich das ganze zugehörige Klangbild angeregt, 
sondern die Auffassung erfolgte Buchstabe für Buchstabe, und erst
        

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