Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kölle: Über die Variabilität der Wahnvorstellungen und Sinnestäuschungen. Allg. Ztsch. f. Psychiatrie, Bd. 49, S. 186
Person:
Liebmann
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit15135/1/
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IÀtteraiurberichi. 
der sie nach ihrer psychologischen Seite besteht, die Einengung des 
Bewufstseins bewirkt, noch immer offen zu sein. Eine Lösung wird 
freilich wohl nicht von der Psychologie, sondern von der Pathologie 
erwartet werden müssen. Goetz Martius (Bonn). 
Ascher. Über Aphasie bei allgemeiner Paralyse. Allgem. Ztschr. f. 
Psychiatrie, Bd. 49, S. 256. 
Ein Paralytiker hot während der letzten zehn Monate seines Lebens 
die Symptome einer transkortikalen Aphasie dar, bei welcher eine 
Störung in beiden transkortikalen Sprachbahnen, der motorischen, wie 
der sensorischen, vorlag, in der ersteren jedoch in weit höherem Grade. 
Bei der Sektion fand sich, dafs der diffuse pathologische Prozefs, der 
das ganze Hirn betroffen hatte, seinen höchsten Grad in der ersten 
linken Schläfenwindung erreicht und dort Schwund und Entartung der 
Zellen, Degeneration im Mark und Schrumpfung der ganzen Binde 
herbeigeführt hatte. Aufserdem war das linke Ganglion geniculatum 
internum degeneriert. Liebmann (Bonn). 
Kölle. Über die Variabilität der Wahnvorstellungen und Sinnes¬ 
täuschungen. Ally. Ztschr. f. Psychiatrie, Bd. 49, S. 186. 
Bekannt ist die allmähliche Ausbreitung des Wahns chronisch Ver¬ 
rückter über immer weitere Vorstellungsgebiete, sowie die Bildung neuer 
Wahnideen zur Erklärung früher vorhandener, z. B. eines Gröfsenwahns 
zur Erklärung eines Verfolgungswahns. Aber auch die scheinbar ganz 
stabilen Wahnvorstellungen, die sogenannten „fixen Ideen“ zeigen eine 
gewisse Variabilität. Kölle unterscheidet nach Koch drei Arten der 
Variation: die Steigerung des Wahns, den Wechsel desselben und das 
Variieren im engeren Sinne, d. h. das Variieren der Details gewisser 
Wahnvorstellungen. Kölle illustriert diese Verhältnisse durch aus¬ 
führliche Krankengeschichten und betont zum Schlüsse mit Becht, dafs 
die Variabilität der Wahnvorstellungen bei den einzelnen Kranken mit 
Abnahme der Intelligenz zunehme. Liebmann (Bonn). 
Charcot und Magnan. Über Onomatomanie. Arch, de Neurol. 1892. 
Juli/November. 
Das Unbehagen, was einen ergreift, wenn man ein Wort oder einen 
Kamen sucht und nicht finden kann, kennt mehr oder weniger jeder, und 
ebenso das Gefühl der Behemmung und Behinderung, das auf unserem 
Gedankengange solange lastet, als jenes Wort nicht gefunden ist. 
Bei erblich Entarteten kann sich diese Empfindung bis zur Un¬ 
erträglichkeit steigern, und die Verfasser erzählen von einem Manne, wo 
die ganze Familie einen Teil der Nacht hindurch das Lexikon durchsuchen 
mufste, um der Angst des Kranken ein Ende zu machen. Bei anderen 
drängt sich ein bestimmtes Wort so in den Vordergrund, dafs es eine 
plötzliche Entladung des Sprachcentrums hervorruft, das, selber überreizt 
und der Herrschaft des Vorderhirns entzogen, das Wort reflektorisch 
ausstöfst. Auf diese Weise können einzelne Worte oder ganze Sätze trotz 
allen Widerstrebens zwangsmäfsig hervorgebracht werden, wider besseres
        

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