Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
W. Wundt: Hypnotismus und Suggestion. Leipzig, Verlag v. Wilh. Engelmann, 1892, Philos. Studien, Bd. VIII, Hft. 1, S. 1–85
Person:
Martius, Götz
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit15133/2/
Litterßturbericht. 135 
meinen Ermüdungszustand des Nervensystems bedingt, jene beruht auf 
der durch die Suggestion hervorgebrachten Einengung des Bewufstseins 
auf einen herrschenden Vorstellungskomplex (S. 61). Die oben aufge¬ 
führten Allgemeinerscheinungen des hypnotischen Zustandes erklären 
sich nun leicht (S. 62). Die Befehlsautomatie entsteht durch die sugge¬ 
rierte Vorstellung, die kataleptische Starre durch die notwendige Stärke 
der einseitigen Erregung bestimmter centraler Elemente, die Hallu¬ 
zinationen aus der mangelnden Gegenwirkung anderer Vorstellungen 
gegen die suggerierten. Die negativen Halluzinationen sind eine Folge 
der durch Suggestion bewirkten Nichtbeachtung der betreffenden Wahr¬ 
nehmungen, die aber doch vorhanden sind (S. 64). Die Aufmerksamkeit 
ist bei dem Hypnotisierten rein passiver Art, die Willenshandlungen 
haben den Charakter von Triebhandlungen; „nicht der Wille selbst, 
sondern die Willkür, nicht die Aufmerksamkeit überhaupt, sondern die 
aktive oder willkürliche Aufmerksamkeit ist. gehemmt“ (S. 68). Auch die 
Eigenschaft der Erinnerungslosigkeit findet sich beim Schlafe, wie auch 
bei dem periodischen Irresein (S. 73). 
Der Abschnitt III (S. 82—95) bespricht die Frage, inwieweit der 
Suggestion die Bedeutung einer experimentellen psychologischen Methode 
zugesprochen werden kann, eine Frage, die für die Beurteilung, des 
wissenschaftlichen Wertes der von „psychologischen Gesellschaften“ 
oder anderen Freunden des Hypnotismus ausgehenden Bestrebungen, der 
Suggestionspraxis Verbreitung zu verschaffen, entscheidend ist.- Ein 
psychologisches Experiment im eigentlichen Sinne ist das Suggerieren 
nicht; denn es fehlt bei dem Vorgänge die Möglichkeit der für die 
psychologischen Experimente wesentlichen inneren Beobachtung, sowie 
die der vollen willkürlichen Beherrschung des Versuchsgegenstandes. 
„Wer nicht durch eine von einem exakten experimentellen Verfahren 
geleitete Selbstbeobachtung über die Grunderscheinungen des seelischen 
Lebens bereits aufgeklärt ist, wird aus der Beobachtung der Lethargischen 
und Somnambulen und aus - deren Angaben schwerlich Aufschlüsse ge¬ 
winnen“ (S. 93). 
Die praktische Bedeutung der Hypnose endlich (Abschnitt IV, 
S. 95 ff.) mufs auf die nicht zu leugnende Anwendbarkeit in der Therapie 
beschränkt werden. Nur dem Arzte sollte das Hypnotisieren gestattet 
sein. Dafs eine Schädigung der ohne Grund Hypnotisierten nicht zweifel¬ 
haft ist, folgt schon aus der schnellen Zunahme der Erleichterung und 
Verstärkung der suggerierten Einwirkungen, wie aus der Möglichkeit 
der Herausbildung einer Suggestibilität im wachen Zustande. 
Der Inhalt der Schrift wird gewifs in weiten Kreisen Interesse 
erregen und nicht wenig zu einer ruhigen Beurteilung der Thatsachen 
der Hypnose beitragen. Der Psychologe wird in ihr vor allen Dingen 
ein Musterstück der Methode bewundern. Dafs die Psychologie in ihrer, 
heutigen Gestalt bereits eine derartige Anwendung, wie sie hier vorliegt, 
erlaubt, ist gewifs der beste Beweis, dafs . sie sich auf richtigem Wege 
befindet. Daran -wird auch nichts geändert, wenn noch nicht jeder Punkt 
geklärt sein oder einzelne Punkte andere Auffassungen zulassen sollten. 
So scheint mir die Frage, wie die Suggestion oder die Assoziation, in
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.