Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorster: Über einen Fall von doppelseitiger Hemianopsie mit Seelenblindheit, Photopsien und Gesichtstäuschungen. Allgem. Zeitschr. f. Psychiatrie, Bd. 49, S. 227
Person:
Liebmann
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit15128/1/
Idtteraturbericht. 
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zuständen der Harmonie und des Konflikts genau zu studieren. Der Wert 
des Aufsatzes besteht in einer Fülle einzelner, auf genaue und un¬ 
befangene Beobachtung der Thatsachen gegründeter, feiner Bemerkungen. 
Der Ertrag an allgemeinen Sätzen ist sehr dürftig; Verfasser stellt zwar 
solche auf, sie tragen aber meist einen rein negativen Charakter; und 
er hat sie zudem überall durch die wichtigsten Ausnahmen und 
Anomalien aufs wesentlichste einzuschränken. Nach Ansicht des Ver¬ 
fassers ist wohl heute überhaupt noch keine allgemeine Theorie, die 
alle Lust- und Schmerzarten unter einen obersten Erklärungsgrund 
brächte, möglich. In einer angehängten Kritik der hedonistischen Theorie 
Prof. Marshalls (Mind, No. 63, 64) zeigt er, dafs dieselbe kaum Vs aller 
Fälle umfafst. Gaüpp (London). 
Vorster. Über einen Fall von doppelseitiger Hemianopsie mit Seelen - 
blindheit, Photopsien und Gesichtstäuschungen. Allgem. Zeitschr. f. 
Psychiatrie, Bd. 49, S. 227. 
Bei einem Kranken, der schon früher zwei apoplektische Anfälle 
überstanden, lassen sich nach einem dritten Insult linksseitige Lähmung 
und Anästhesie, sowie zunächst völliger Verlust des Sehvermögens beider 
Augen feststellen. Das letztere bessert sich allmählich, doch bleibt eine 
linksseitige Hemianopsie nebst erheblicher Einschränkung der rechten 
Gesichtsfeldhälften, eine bedeutende Herabsetzung der Sehschärfe, sowie 
die gänzliche Aufhebung des Farbensinnes zurück. Etwa sechs Wochen 
nach dem Anfall fiel es auf, dafs er die Gegenstände, die er sah, nicht 
erkannte. Seine Angehörigen erkannte er erst, wenn er sie sprechen 
hörte, alles um ihn schien ihm verändert. Dabei waren die optischen 
Erinnerungsbilder intakt; es handelte sich also nicht um eine echte 
Seelenblindheit im Sinne Musks, sondern um eine Affektion der optischen 
Wahrnehmungscentra, um eine Bindenblindheit. Das örtliche Orien¬ 
tierungsvermögen hatte sehr gelitten; diese Störung bestand noch nach 
Besserung der Bindenblindheit fort. Der Kranke hatte, nachdem die 
totale Bindenblindheit sich gebessert hatte und zu einer partiellen ge¬ 
worden war, massenhaft auftretende Photopsien, die beide Gesichtsfeld¬ 
hälften gleichmäfsig betrafen, sowie Illusionen und Halluzinationen des 
Gesichts. Eine Sektion liegt nicht vor. 
In betreff der Einzelheiten des höchst interessanten Falles mufs 
auf das Original verwiesen werden. Liebmann (Bonn). 
Janet. L’amnésie hystérique. Archives de Neurologie, Bd. XXIV, S. 29. (1892.) 
Störungen des Gedächtnisses treten nach J. bei Hysterischen fast 
so häufig auf, wie Störungen der Sensibilität, und kommen in sehr ver¬ 
schiedenen Formen vor. Die Amnesie kann sich auf eine bestimmte 
Person, ein bestimmtes Ereignis und alles, was damit zusammenhängt, 
beschränken (Amnésie systématisée). So erkennt z. B. eine Hysterische 
nach einem Anfall den Arzt nicht wieder, der sie monatelang behandelt 
hat; alle die mannigfachen Beziehungen zwischen ihm und ihr sind ver¬ 
gessen, und bei noch so oft wiederholten Besuchen erscheint er ihr immer 
Zeitschrift für Psychologie V. 
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