Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
W. Bormann: Kunst und Nachahmung. No. 5. der Flugschrift gg. den Materialismus, hrsg. v. Schmidkunz, Stuttgart, Krabbe, 1898, 48 S.
Person:
Hitschmann, Friedrich
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit15125/1/
Litteraturbericht. 
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von ihm (S. 82/83), für andere Leute aber auf Spencer, Schaffle und 
manchen anderen zurück. 
Gesteigerte Komplikation und gesteigerte Selbstanalyse ist kein 
Glück. Ein Opfer der letzteren z. B. ist Hamlet (S. 113/. Dieses Stich¬ 
wort, wie an anderen Stellen andere Stichworte aus der Litteratur- 
geschichte, dient nur zur Einführung aneinander gereihter litterarisch- 
ästhetischer Phrasen, die an Trivialität und Öde den philosophischen 
Orakeln des Herrn W. nichts nachgeben und mit dem vorhergehenden 
meist nur durch den Baum Zusammenhängen. 
Von , der Bereicherung, die die Psychologie durch das oben ge¬ 
nannte „Werk“ erfährt, glaubt der Beferent eine genügende Vorstellung 
gegeben zu haben. Die erkenntnis-theoretischen Erleuchtungen, mit 
denen Herr W. die Menschheit beglückt, gehen uns hier glücklicher¬ 
weise nichts an. Man braucht aber in dem „Werke“ nur zu blättern, 
um ganz eigentümliche Lichtstrahlen aufzufangen. So wird S. 21 von 
Berkeley als dem „grofsen Schotten“ gesprochen, S. 125 in gröbster 
Weise „transcendental“ mit „transcendent“ verwechselt etc..... 
P. Barth (Leipzig). 
W. Bormann. Kunst und Nachahmung. No. 5 der Flugschriften gegen den 
Materialismus, herausgegeben von Schmidkunz. Stuttgart, Krabbe, 1892. 
48 S. 
In dem ersten, mehr allgemein gehaltenen Teil der Broschüre geht 
der Autor von der Thatsache aus, dafs Aristoteles der Erste gewesen, 
der den Begriff der Naturnachahmung in die Definition der Kunst auf¬ 
genommen. Da sich jedoch diese Nachahmung nicht blofs auf Gegen¬ 
stände der äufseren Natur, sondern schon nach Aristoteles selbst auch 
auf Leidenschaften und Affekte, kurz auf Erscheinungen des Mikrokosmos 
bezieht, sieht Bormann sich veranlafst, an dieser Stelle eine knappe 
Übersicht der Prinzipien der idealistischen Philosophie von Descartes 
bis Kant und Fichte einzuschalten, welche bekanntlich ihren Schwer¬ 
punkt im Seelenleben des Menschen gesucht hat. Nach dieser Ab¬ 
schweifung wendet er sich zur Untersuchung des Verhältnisses zwischen 
dem Nalur- und dem Kunstschönen. 
Er bespricht die Ansichten Schellixgs, Hegels und einiger späterer 
Ästhetiker, welche alle den Schönheitsgehalt der Natur mehr oder 
weniger unterschätzen, und führt zuletzt im Gegensätze zu Hartmann 
seine eigene Meinung aus, die in dem Satze gipfelt: „Das einzelne Natur¬ 
schöne, wenn wir es nur sinnlich und begrenzt auffassen, ist dem Kunst¬ 
schönen untergeordnet; doch ist eben eine solche enge Auffassung dem 
Wesen der Natur zuwider, die in allen ihren Äufserungen zum grofsen 
Allgemeinen und zum Geistigen hinstrebt.“ Er steht hierin ganz auf 
dem Standtpunkt Schillers, auf den man in ästhetischen Fragen über¬ 
haupt immer wieder zurückzugehen genötigt ist. — Im zweiten Teile 
scheitert der Verfasser an der unlösbaren Aufgabe, eine Analyse sämt¬ 
licher Künste auf den engen Kaum von ca. 20 Druckseiten zusammen¬ 
zudrängen. Doch enthält gerade dieser Teil eine Fülle einzelner geist¬ 
voller Bemerkungen, wie etwa jene über den Unterschied zwischen
        

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