Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Max Dessoir: Über den Hautsinn. Arch. f. Anat. u. Physiol., Physiol. Abt., 1892, S. 175–339
Person:
Goldscheider, Alfred
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit15121/1/
Litteraturbericlit. 
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nicht von der Qualität (den Ähnlichkeitsgraden) der Töne seihst, sondern 
nur von Nebenfaktoren abhänge (womit also eine Bestimmung der 
Empfindungsmitte und der Distanzverhältnisse von Tönen als solchen 
überhaupt ausgeschlossen wäre), so kann ich dies nicht ohne Wider¬ 
spruch lassen. Ich verstehe aber hieraus einigermafsen, wie M. doch 
wieder ein Zungeninstrument wählen konnte, obgleich es ihm seihst nicht 
das beste Objekt scheint. Ihm sind Ohertöne vielleicht eine Kompli¬ 
kation, aber nicht eine Fehlerquelle für solche Versuche, da es eben in 
Bezug auf Tonempfindungen als solche für ihn weder richtige noch 
falsche Urteile giebt. 
Für neue Arbeiten möchte ich, abgesehen von der wiederholten 
Forderung einfacher Klänge, einen Wunsch hinsichtlich der Unter¬ 
suchung und Beschreibung der Versuchspersonen aussprechen. Von den 
Dreien, deren Ergebnisse mitteilenswürdig erschienen, sagt M. nur, dafs 
der eine ein feinmusikalischer geübter Cellist war, die beiden anderen 
aber „niemals musiziert hatten“. Doch wird ausdrücklich hei einer be¬ 
stimmten Versuchsreihe hervorgehoben, dafs da gerade einer von diesen 
durch musikalische Motive mitbestimmt schien (S. 167). Ein Zeichen, 
wie wenig man aus dem äufseren Umstand, dafs einer musiziert hat oder 
nicht, über das Nachwirken musikalischer Eindrücke schliefsen kann. 
Es wäre künftig wohl erforderlich, die Gehörsfähigkeiten der Versuchs¬ 
personen genauer zu beschreiben (Lorenz war hierin ausführlicher) und 
zwar ganz bestimmte Kriterien zu benutzen, wie Unterscheidungsfähigkeit, 
Intervallurteil, Benennungsfähigkeit u. dgl. Erst danach kann man sich 
ein Urteil bilden, oh und inwieweit einer musikalisch und unmusikalisch 
ist; aufserdem bleiben dies allzu unbestimmte Kategorien. Natürlich 
werden nicht durchgeführte Versuchsreihen über alle jene Punkte ver¬ 
langt, die zehnmal so lange dauern würden wie die geplante Unter¬ 
suchung seihst; eine ziemlich kurze Vorprüfung würde schon genügende 
Anhaltspunkte bieten. C. Stumpf. 
Max Dessoir. Über den Hautsinn. Arch. f. Anat. und Physiol. Physiol. 
Abt. 1892. S. 175—339. 
Verfasser bezeichnet seine umfangreiche Arbeit eingangs als einen 
Versuch, eine Physiologie des „Hautsinns“ zu skizzieren, welcher letztere 
nach seiner Meinung seit E. H. Webers Zeit nicht mehr „von dem 
Standpunkte systematischer Untersuchung aus“ behandelt worden ist. 
Der experimentelle Teil seiner Arbeiten ist in dem Institute von Hermann 
Munk ausgeführt worden. Verfasser behandelt zunächst die Lehre von 
den Empfindungen überhaupt und bespricht allgemein eine Eeihe der 
hier einschlagenden Fragen, sodann die Lehre von den spezifischen 
Energien, welche er namentlich in der von Helmholtz ihr gegebenen 
Form scharf, zum Teil mifsverständlich, zum Teil mit Ignorierung von 
physiologischen Beobachtungen, zum Teil mit Hülfe willkürlicher An¬ 
nahmen (ein Schlag auf den Kopf erzeuge möglicherweise Äther-
        

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