Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Raphael Dubois: "Anatomie et physiologie comparées de la pholade dactyle. Structure, locomotion, tact, olfaction etc., avec une théorie générale des sensations." Paris, G. Masson, 1892
Person:
Verworn
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit15112/3/
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LitteraturbericM. 
so tritt nur die primäre Kontraktion ein, die sekundäre bleibt aus, denn 
der Reflexbogen, welcher von der Neuro-konjunktival-Sehicht über das 
Visceralganglion zu den grofsen Muskeln leitet, ist durch die Abtrennung 
des Visceralganglions unterbrochen. - 
Diese Erscheinungen bilden das Fundament für die Theorie des 
Verfassers. Sie treten bei allen Arten von Beizen ein. Der Verfasser 
verfolgt dann besonders genau noch die Einzelheiten bei der Reizung 
mit Licht, indem er zahlreiche Versuche über die Wirkung der Reizungs¬ 
dauer, der Ermüdung, verschiedener Intensität und verschiedener Wellen¬ 
länge des Lichtes folgen läfst, die indessen für die Theorie keine wesent- 
lichen Gesichtspunkte weiter beibringen. 
Die allgemeine Theorie der Sinnesempfindungen, die der Verfasser 
auf dieser Grundlage aufbaut und die er für alle mit Nervensystem 
und Sinnesorganen versehenen Tiere in gleicher Weise als gültig be¬ 
trachtet, gipfelt nun in der Vorstellung, dafs durch alle Reize zunächst, 
nicht die Nervenenden erregt werden, sondern ein „système avertisseur“, 
wie er die Myoepithelialschicht des Siphons nennt, welches den Zweck 
hat, die Erregung durch seine eigene Bewegung erst auf die Nerven¬ 
enden zu übertragen, so dafs also der Reiz, welcher Art er auch sei, 
durch das système avertisseur erst in einen mechanischen Reiz für die 
Nervenenden umgesetzt wird. So werden z. B. im Auge durch den 
Lichtreiz zunächst die Stäbchen und Zapfen erregt. Die Folge davon 
sind Bewegungen dieser Stäbchen und Zapfen. Durch diese Bewegungen 
werden erst sekundär die Opticusendigungen mechanisch gereizt, so dafs 
also die Lichtempfindung nach der Vorstellung des Verfassers in 
Wirklichkeit auf einer mechanischen Reizung des Sehnervs beruht. 
Dasselbe glaubt der Verfasser für die Geruchs-, Geschmacks- und 
andere Sinnesempfindungen annehmen zu müssen. 
Zum Schlufs untersucht der Verfasser noch die Lichtproduktion, 
des Siphons. Wird ein Pholas irgendwie gezeigt, so erglühen die Wände 
des Siphons von innen nach aufsen her, und der Schleim, welcher die 
Oberfläche überzieht, teilt die leuchtende Substanz dem Wasser mit, so 
dafs das Tier in eine leuchtende Wolke gehüllt erscheint. Das Leuchten 
wird reflektorisch ausgelöst von der inneren Seite des Siphons, wo von 
den Schnüren und Dreiecken Nerven zum Visceralganglion ziehen. Diese 
Nerven sollen nach dem Verfasser zentripetal- und zentrifugalleitend 
zugleich sein. Die leuchtende Substanz wird produziert von den 
Wanderzellen in der Neuro-konjunktival-Schicht und, wie es scheint, auch 
von den eigentümlichen Becherzellen des Epithels, indem die Zellen 
eine Metamorphose erleiden und in Haufen von durchsichtigen, 
bläschenartigen Körnern zerfallen, die der Verfasser für die Träger des 
Leuchtvermögens hält. Sie werden, mit dem Schleim vermischt, nach 
aufsen abgegeben. Obwohl die Lichtproduktion vom Nervensystem be- 
einflufst wird, ist der Zusammenhang der Teile für ihr Zustandekommen 
nicht unbedingt notwendig. Dagegen ist zum Zustandekommen des 
Leuchtens notwendig, dafs das umgebende Wasser Sauerstoff enthält 
und schwach alkalisch reagiert. Verwohn (Jena).
        

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