Bauhaus-Universität Weimar

Über ein optisches Paradoxon. 
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werden könnten.1 Dies ist so wenig der Fall, dafs wir oben2 
zur Erläuterung des Gesetzes uns des Beispiels der Unter¬ 
schätzung eines rechten Winkels bedienten. Übrigens wäre 
auch aus anderem Grund, nämlich wegen des Einflusses fremd¬ 
artiger Momente, welche die Schätzung beeinflussen können,3 
die Folgerung nicht stichhaltig. 
8. Interessanter sind zwei wei¬ 
tere Argumente, die Lipps unter 
No. 3 seiner Abhandlung geltend 
macht. „Es befinden sich“, sagt er, 
„auch unter den BuENTANOschen Fällen 
solche, bei denen zweifellos nicht die 
von Brentano vorausgesetzte, sondern 
die entgegengesetzte Winkelschätzung 
stattfindet.“ Und er bringt dann die 
Zeichnung einer Figur, die als Frag¬ 
ment der ZöLLNERschen Figur an¬ 
gesehen werden kann, bei der aber 
merkwürdigerweise die parallelen 
Linien in der entgegengesetzten 
Sichtung, als bei Zöllner, abgelenkt 
scheinen. Ich gebe sie hier unver¬ 
ändert, nur an einigen Punkten mit 
Buchstaben bezeichnet, wieder. (Fig.4 
vgl. Lipps, a. a. O. Fig. I, S. 500.) 
-Die einander parallelen Linien a b 
und c d scheinen sich nach a und c 
hin voneinander zu entfernen, c d und 
die nächstfolgende Parallele sich nach 
dieser Seite zu nähern, und so geht 
es weiter und weiter in fortwährendem 
Wechsel, wobei, wie gesagt, der Gegensatz zu der ZöLLNERschen 
Figur frappiert. Wenn sich nun bei der ZöLLNERschen Figur 
die Täuschung aus einer Unterschätzung der stumpfen und 
Überschätzung der spitzen Winkel erklärte, so scheint Lipps 
hier mit Recht die Täuschung auf eine Überschätzung der 
Fig. 4. 
1 Ebenda. S. 502, No. 5. 
* Vgl. No. 3. 
3 Vgl. oben No. 4 und 5.
        

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