Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Augustus D. Waller: The sense of effort, An objektive study, Addendum to Dr. Waller's paper on the sense of effort. Brain LIV a. LV, 1891, S. 179 ff., Ebd., S. 432 ff.
Person:
Müller, G. E.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit15078/8/
Li tteraturbericht. 
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nicht aber auch in einer entsprechenden1 Nachdauer des longitudinalen 
Effektes (der geringeren Länge oder stärkeren Spannung des Muskels) 
äufsere. Verfasser redet von einer Dissoziation der lateralen und longi¬ 
tudinalen Effekte, welche auch sonst vorhanden sei, aber bei der Er¬ 
müdung durch willkürliche Muskelthätigkeit am deutlichsten zu Tage 
trete, wobei er hier, wie soeben angedeutet, unter dem lateralen Effekte, 
je nachdem es sich um aktuelle oder virtuelle Muskelkontraktion handelt, 
die Verbreiterung oder das Härterwerden des Muskels (broadening or 
hardening) und unter dem longitudinalen Effekte die Verkürzung oder die 
Zunahme der Spannung des Muskels versteht. „The phenomenon imme¬ 
diately under the influence of nerve is the lateral effect, which again is 
the immediate antecedent of the longitudinal effect“. Verfasser scheint 
sich nicht klar gemacht zu haben, dafs die Annahme, es finde bei der 
Muskelerregung zeitweilig eine Zunahme des Querschnittes der Muskel¬ 
fasern statt, ohne dafs gleichzeitig eine entsprechende Verkürzung der 
Fasern sich vollziehe, notwendig zu dem, der Mehrzahl der Physiologen 
schwerlich sehr glaubhaften, Schlüsse führt, dafs der Muskel bei seiner 
Erregung beträchtliche, wenn auch nur kurzdauernde, Änderungen seines 
Volumens erfahren könne. Sehr befremdend sind ferner die Vorstellungen, 
welche Verfasser betreffs des Eindruckes zunehmender Härte, den die 
Muskeln im menschlichen Organismus bei ihrer Kontraktion in der Regel 
erwecken, entwickelt. Schon Ed. Weber hat in seiner bahnbrechenden 
Abhandlung über Muskelbewegung hervorgehoben, dafs jener Eindruck 
des Härterwerdens der sich kontrahierenden Muskeln auf den Spannungen 
beruht, in denen sich die untersuchten Muskeln des menschlichen Or¬ 
ganismus im Falle ihres Erregtseins gewöhnlich befinden. „Ohne hin¬ 
reichenden Grund hat man behauptet“, heifst es bei Weber (S. 54), „dafs 
die Muskeln, wenn sie in Thätigkeit gerieten, härter würden. . . . 
Muskeln, welche sich zu verkürzen streben, werden dadurch stärker ge¬ 
spannt, wenn zugleich der Widerstand gröfser wird, welchen die Glieder 
den Muskeln entgegensetzen. . . . Wächst der Widerstand nicht und 
nimmt daher auch die Spannung nicht zu, so kann man keinen Unter¬ 
schied der Härte im Zustande der Thätigkeit und Unthätigkeit der 
Muskeln wahrnehmen. . . . Läfst man einen Muskel, dessen Flechse 
durchschnitten worden ist, durch den galvanischen Strom sich verkürzen, 
so bleibt er weich und verräht dem ihn zusammendrückenden Finger nur 
1 Dafs auch der longitudinale Effekt einer willkürlichen Muskel¬ 
anstrengung bei vorhandener Ermüdung etwas langsamer schwinde als 
bei frischem Zustande, giebt Verfasser (S. 210, 215 ff., 222) auf Grund 
eigener Versuche zu, indem er zugleich dieses Verhalten — wie wir 
weiterhin sehen werden, ohne ausreichende Begründung — darauf 
zurückführt, dafs die Erregungen der motorischen Zentren bei ein¬ 
getretener Ermüdung langsamer schwänden. 
Tn Hinblick darauf, dafs auch bei elektrischer Muskelreizung eine 
gewisse, wenn auch geringe, Verlängerung des lateralen Effektes durch 
Ermüdung beobachtet wird, giebt Verfasser zu, dafs auch am willkürlich 
erregten Muskel die durch Ermüdung bewirkte Verlängerung des la¬ 
teralen Nacheffektes zu einem geringen Teile auf peripherischen Vorgängen 
beruhe. 
Zeitschrift für Psychologie IV. 
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