Bauhaus-Universität Weimar

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Franz HiUebrmul. 
Man sieht also, dafs unter Voraussetzung der Stabilität 
der Raumwerte das Phänomen erklärt werden kann, dafs fern¬ 
liegende Punkte in einer konvexen, naheliegende in einer 
konkaven Fläche liegen müssen, wenn sie in einer Ebene 
gesehen werden sollen. 
Einstweilen genüge es, wenigstens die Möglichkeit der 
Erklärung jenes Phänomens bei stabilen Raum werten dargethan 
zu haben. Dafs diese Erklärung die richtige sei, ist vorläufig 
noch nicht gesagt. 
§ 17. Wie schon früher bemerkt, hat Helmholtz die Er¬ 
scheinung in einer Weise zu erklären versucht, welche die 
Stabilität der Eaumwerte ausschliefst. Nachdem er das Phä¬ 
nomen beschrieben und aus seinen Versuchen einige numerische 
Daten mitgeteilt, fährt er folgendermafsen fort: 
„Die Täuschung bei diesen Versuchen erklärt sich aus der oben 
bemerkten Thatsache, dafs, wenn wir nur nach der Konvergenz der 
Gesichtslinien die Entfernung beurteilen, wir dieselbe gewöhnlich für 
kleiner halten, als sie wirklich ist, und sie überhaupt unsicher beurteilen“. 
„Wenn wir nun auf eine senkrechte, durch senkrechte parallele 
Linien eingeteilte Ebene blicken, so erscheinen die nach rechts hin ge¬ 
legenen Streifen derselben dem rechten Auge unter gröfserem Gesichtswinkel 
als dem linken, weil sie erstens jenem Auge näher sind, und weil zweitens 
seine Gesichtslinie die genannten Streifen unter*“ einem weniger spitzen 
Winkel trifft, als die des linken Auges. Umgekehrt erscheinen die nach 
links gelegenen Streifen dem linken Auge breiter, als dem rechten. Je 
näher die Augen der besagten Ebene kommen, desto gröfser werden die 
Differenzen der Gesichtswinkel für den gleichen Streifen. Um nun ent¬ 
scheiden zu können, ob die wahrgenommenen Differenzen dieser Art der 
Projektion einer ebenen Fläche oder einer gekrümmten angehören, 
müfste man die Entfernung des Objekts nach der Konvergenz der 
Gesichtslinien sehr genau schätzen können. Denn die gleichen Differenzen 
der beiderseitigen Bilder würde auch ein entfernteres Objekt zeigen 
können, wenn es gegen den Beobachter konvex wäre, oder ein näheres, 
wenn es gegen den Beobachter konkav wäre“.’ 
Nock ein weiteres Moment führt Helmholtz an, um jene 
„Täuschung“ zu erklären, auf das wir sogleich zu sprechen 
kommen werden. Was den eben citierten Teil der Erklärung 
anlangt, so sieht man, dafs sie nur unter der Voraussetzung 
variabler Rammwerte gültig sein kann. Denn wenn der Be¬ 
obachter (auf Grund der Konvergenz) die Entfernung des 
Fadensystems immer richtig schätzte, müfste er nach Helmholtz 
1 Physiol. Optik. 1. Aufl. Pag, 655.
        

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