Bauhaus-Universität Weimar

(Aus dem physiologischen Institute der deutschen Universität zu Prag.) 
Die Stabilität der Raumwerte auf der Netzhaut. 
Von 
Dr. Franz Hillebrand, 
Privatdocenten der Philosophie an der Universität zu Wien. 
I. Vorbemerkungen und Problemstellung. 
§ 1. Zum richtigen Verständnis der Frage, welcher die 
folgenden Erörterungen gewidmet sind, ist es nötig, einige 
elementare Definitionen und Erfahrungen aus der Lehre von 
den optischen Raumanschauungen dem Leser ins Gedächtnis 
zurückzurufen. 
Vor allem mufs unterschieden werden zwischen dem Seh¬ 
raum mit seinen Relationen und dem wirklichen Raum mit 
seinen Relationen, und dementsprechend zwischen Sehding 
und wirklichem Ding (Namen, die ich der Terminologie Herings1 
entnehme). Ein quadratisches Objekt kann (in perspektivischer 
Verkürzung) als Trapez erscheinendem krummer Stab bei ge¬ 
eigneter Lage als gerader, eine gröfsere Gerade hei geeigneter 
Entfernung als kleinere und dergleichen mehr. Die Sehdinge 
sind in diesen Beispielen : ein Trapez, ein gerader Stab, eine 
vergleichsweise zu einer andern kleinere Gerade etc. Wir 
können statt Sehding ebensogut auch Empfindungsinhalt sagen; 
denn nichts anderes ist gemeint als das Objekt, wie es sich in 
der Empfindung selbst darstellt, ganz abgesehen von unserem 
sonstigen Wissen über den betreffenden äufseren Gegenstand. 
1 Hering, Lehre vom Raumsinn des Auges in Hermanns Handb. 
III. Bd. 1. T. pag. 343 ff. 
Zeitschrift für Psychologie V. 
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