Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
H. H. Donaldson: Anatomical Observations on the Brain and Senseorgans of the blind deaf-mute, Laura Bridgman, 2. Mitteilung. Amer. Journal of Psychology, Bd. IV, S. 248–294
Person:
Strong
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit15051/1/
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Litter a turbericht. 
neues Licht über den Generationswechsel, unter welchen Gesichtspunkt 
der Verfasser auch Adventivbildungen phanerogamer Pflanzen bringt, 
wenn diese Bildungen in den normalen Entwickelungskreis eintreten. 
Referent ist der Ansicht, dafs die Plasomtheorie auch für die Auf¬ 
fassung sinnesphysiologischer Prozesse von grofser Bedeutung ist. Es 
geht nicht gut an, die Empfindungsinhalte den chemischen und physi¬ 
kalischen Prozessen direkt zugeordnet zu denken, so dafs auch jedem 
Prozesse an toter Materie Empfindung zugeordnet wäre. Es ist auch 
befremdend, die Empfindungen bestimmten chemischen Individuen bei 
deren Zersetzung zugeordnet sein zu lassen. Viel ungezwungener ist 
die Auffassung, dafs die molekularen Prozesse im Nervensysteme die 
Lebensvorgänge in den Plasomen verändern, und dafs gewissen Lebens¬ 
vorgängen bestimmte Empfindungen zugeordnet seien. Es kann ja vor¬ 
läufig dahingestellt bleiben, ob es sich in dieser Beziehung zunächst um 
Teilung oder um Assimilation oder um Sekretion oder auch um Kon¬ 
traktion handelt. Es soll dabei nicht die Zuordnung von Empfindungs¬ 
inhalt an Lebensvorgänge der Plasome oder eines sich selbst bauenden 
Plasomengebäudes in toto als solche erklärt werden, sondern nur jene 
unbegriffen bleibende Zuordnung gewählt sein, welche den Thatsachen 
am besten gerecht wird, insoferne sie die Thatsachen am ungezwungensten 
ordnen hilft. Stöhr (Wien). 
H. H. Donaldson. Anatomical Observations on the Brain and Sense- 
organs of the blind deaf-mute, Laura Bridgman. (2. Mitteilung,) 
Amer. Journal of Psychology. Bd. IV, S. 248—294. (Dezember 1891.) 
Die Ergebnisse, welche D. in seinem ersten Artikel über das Gehirn 
Laura Bridgmans mitteilte (vgl. Zeitschr. f. Psych., I., Heft 6, S. 503), 
lassen sich kurz zusammenfassen, wie folgt: Der gyrus opercularis des 
linken Stirnlappens war unentwickelt und unter die Oberfläche gesunken; 
die Insula war auf beiden Seiten blofsgelegt, doch links dreimal soviel 
als rechts; beide Schläfenlappen waren klein; der rechte Hinterhaupts¬ 
lappen, und besonders der cuneus, war sehr verkümmert. 
Gegenwärtige Mitteilung bezieht sich auf die Befunde bei Rinde 
und Sinnesorganen. Erstere untersuchte D., indem er ihre Tiefe an 14 
verschiedenen Stellen bei L. B., sowie bei 9 Kontrollgehirnen (6 männ¬ 
lichen, 3 weiblichen) bestimmte. Aus diesen Messungen zieht er folgende 
Schlüsse: a) Personen mit erworbenem Defekt des Centralnervensystems 
haben eine dünnere Hirnrinde als normale Individuen; b) die weibliche 
Rinde ist ein wenig dünner als die männliche, doch beträgt der Unter¬ 
schied weniger als 1 % ; c) die Rinde der rechten Hemisphäre ist bis zu 
7 °/o dünner als die der linken. 
Die durchschnittliche Rindentiefe der Kontrollgehirne betrug 
2,91 mm, die des B.’sehen Gehirnes 2,59 mm, also nur 89 % des Normal- 
mafses. Doch fällt diese Abweichung mehr den Gebieten der verlorenen 
Sinne als den motorischen Rindenfeldern zur Last. Im einzelnen war 
die Rinde der Insula links dünn, rechts normal ; die des gyrus oper¬ 
cularis (motorisches Spracheentrum) auf beiden Seiten gut entwickelt; 
die des gyrus hippocampi (Geruch und Geschmack) auf beiden Seiten
        

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