Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
E. Kräpelin: Zur Kenntnis der psychologischen Methoden. Philos. Studien VI, 1891, S. 493-513
Person:
Martius, Götz
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit15043/1/
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Litteraturbericht. 
Im übrigen bin ich weit entfernt, dem MüNSTERBERGschen Buche 
seinen Wert abzusprechen. Die Unterscheidung der Methoden ist licht¬ 
voll und die Abgrenzung der Aufgaben, soweit nicht Münsterbergs Lieb¬ 
haberei für Bewegungsempfindungen u. dgl. störend eingreift, anerkennens¬ 
wert vorurteilsfrei. Vor allem hebe ich hervor die ausdrückliche Be¬ 
tonung der Selbstverständlichkeit, dafs alle psychologische Einsicht 
schliefslich direkt oder indirekt auf der vielfach schief aufgefafsten und 
dann mit scheinbarem Rechte geschmähten „inneren“ Beobachtung 
beruht. Freilich versteht hier M. unter „Beobachtung“ nicht ganz das, 
was man sonst darunter versteht. Die wissenschaftlich wertvolle innere 
Beobachtung ist ihm diejenige, die mit dem Beobachtungsobjekt gleich die 
Vorstellung seiner Bedingungen verbindet, und unter diesen Bedingungen 
versteht M. im wesentlichen die anatomisch - physiologischen Be¬ 
dingungen. Ich meine, Beobachten heifse Beobachten, und nicht, wirk¬ 
liche oder vermeintliche Kenntnisse, am wenigsten physiologische oder 
psychophysiologische Theorien in das zu Beobachtende einmengen. 
Thut man dies, dann ist es kein Wunder, wenn die Beobachtungen die 
vorher feststehenden Theorien bestätigen. In der That wird M. auf 
solche Weise „beobachtet“ haben, dafs alle Gefühle, Triebe, Willens¬ 
akte etc. aus körperlichen Empfindungen sich zusammensetzen. 
Schliefslich bin ich auch mit Münsterbergs Schlufsbemerkung 
durchaus einverstanden. Besondere psychologische Lehrstühle sind ein 
Erfordernis, und auch mir will es scheinen, dafs kein Mediziner oder 
Jurist, kein Theologe oder Pädagoge in seinen Beruf eintreten sollte 
ohne gründliche psychologische Kenntnis. Mit welchem Rechte Münster¬ 
berg Psychologie und Philosophie trennt und letztere mit der Er¬ 
kenntnislehre identifiziert, verstehe ich freilich nicht. Ich sehe in der 
Erkenntnislehre, da sie nun doch einmal mit der Erkenntnis zu thun hat, 
ebenso wie in der Ethik und Ästhetik eine psychologische und damit 
philosophische Disziplin. Dies hindert doch nicht, dafs die psycho¬ 
logische Forschung als die Grundlage aller sonstigen philosophischen 
Arbeit besonderen Händen anvertraut werde. Lipps (Breslau). 
E. Krapelin. Zur Kenntnis der psychophysischen Methoden. Philos. 
Studien VI, (1891). S. 493 — 513. 
Krapelin unterscheidet direkte und indirekte Methoden. Die 
ersteren teilt er wieder in zwei Gruppen, in Grenzmethoden und 
Differenzmethoden. 
Grenzmethoden sind die Methode der e. m. Unterschiede und die 
Methode der mittleren Fehler. Bei ihnen werden Grenzwerte gesucht und 
entweder festgestellt, „wie grofs der Unterschied zweier Reize sein mufs, 
damit sie als ungleich aufgefafst werden“, oder es wird die Reizdifferenz 
bestimmt, „bei welcher noch die Empfindung der Gleichheit bestehen 
kann“ (S. 494). 
Die Methode der r. u. f. Fälle will Krapelin in ihrer hergebrachten 
Form nicht bestehen lassen. Sie vereinigt verschiedene Schätzungs¬ 
prinzipien, wie sich in der Schwierigkeit der Behandlung der Gleichheits¬ 
fälle zeigt. Die scheinbaren Gleichheitsfälle dürfen nicht als „falsche“
        

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