Bauhaus-Universität Weimar

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F. Schumann. 
selbe wenig, wenn die Hauptzeit immer zuerst kommt. Ganz 
in Übereinstimmung hiermit würde stehen, dafs sich aus Ver¬ 
suchsreihe A ein negativer Zeitfehler ergeben hat. Denn da 
bei dieser mit der Zeitlage der Hauptzeit gewechselt wurde, 
konntedieVersuchsperson das zweite Signal nicht vernachlässigen. 
Es würde ferner hierdurch der Umstand seine Erklärung finden, 
dafs schlechtes Befinden den Zeitfehler wesentlich vergröfserte, 
wie die Versuche mit der Hauptzeit 400 o' und einer Differenz 
von 10 a (Versuchsreihe JB) beweisen, da diese sämtlich an einem 
Tage gemacht wurden, an welchem die Versuchsperson sich 
nach ihrer Aussage schlechter als sonst befand. Drittens würde 
sich dann noch auf die obige Annahme die Thatsache zurück¬ 
führen lassen, dafs bei der zweiten Versuchsperson (P), bevor die 
maximale Einübung auf die Normalzeit 400 a erzielt war, ein 
auffallend grofser positiver Zeitfehler vorhanden war, welcher 
mit der Zunahme der Übung nachliefs.1 
Nach dem Vorangegangenen dürfte klar sein, dafs feinere 
Untersuchungen über den Gang der Unterschiedsempfindlichkeit 
auf aufserordentlich grofse Hindernisse stofsen, zu deren Über¬ 
windung eminent viel Zeit gehört. 
§ io. 
Versuche nach der Bepr oduktionsmethode. 
Bevor ich die im vorigen Paragraphen beschriebenen 
Untersuchungen unternahm, hatte ich zur ersten Orientierung 
über Zeitsinnversuche eineVersuchsreihenach der Beproduktions- 
methode mit Zeiten von 0,6—5,0 Sek. angestellt. Ausgeführt 
wurde dieselbe im Leipziger Institute während der Herbstferien 
1889. Zu dem Zwecke hatte mir Herr Geheimrat Wundt mit 
grofser Bereitwilligkeit einen neueren, nach dem Muster des 
älteren konstruierten Zeitsinnapparat zur Verfügung gestellt. 
Die Versuche führte ich ganz in der Weise von Glass aus, 
indem ich die Versuche für dieselbe Hauptzeit auch an demselben 
Tage hintereinander ausführte und zwischen denselben nur so 
1 Sollte sich später bei Zeiten, welche grofser sind als die adäquate, 
ein negativer konstanter Zeitfehler ergeben, so würde sich derselbe in 
ganz analoger Weise durch die Annahme erklären lassen, dafs bei den 
gröfseren Zeiten die Erwartung leichter etwas zu früh als zu spät 
eintritt.
        

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