Bauhaus-Universität Weimar

Über die Schätzung Meiner Zeitgrößen. 
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jedenfalls besser begründet als das von Estel aufgestellte. In¬ 
dessen erheben sich auch gegen dieses Gesetz eine Reihe von 
schweren Bedenken, von denen ich hier nur die wichtigsten 
berühren werde. Zunächst kann nach den Resultaten nicht be¬ 
hauptet werden, dafs bei der Hauptzeit 0,71 Sek. die Unterschieds¬ 
empfindlichkeit ein relatives Maximum besitze. Denn erstens 
sind kleinere Zeiten als 0,70 Sek. von Mehner gar nicht unter¬ 
sucht, und zweitens war bei diesen kleinen Zeiten die minimale 
Änderung (0,05 Sek.), welche sich mit Hülfe des Apparates 
herstellen liefs, gröfser als die Unterschiedsschwelle, so dafs 
den für diese Zeiten erhaltenen Werten überhaupt keine Be¬ 
deutung beizumessen ist. Ebenso vermag ich auch das schein¬ 
bare Maximum der relativen Unterschiedsempfindlichkeit in der 
Gegend der Hauptzeit 2,1 Sek. nicht als ein wirklich konstatiertes 
anzuerkennen. Denn einerseits ist auch hier die minimale 
Änderung noch viel zu grofs, um eine genaue Bestimmung der 
Schwelle ermöglichen zu können, und andererseits ist zu be¬ 
denken, dafs gerade an dieser Stelle drei Hauptzeiten dicht 
nebeneinander liegen (2,0 Sek., 2,10 Sek., 2,15 Sek.). Da näm¬ 
lich Mehner für jede der Hauptzeiten bis 5,0 Sek. einen Ver¬ 
such an jedem Versuchstage machte und dabei die verschiedenen 
Zeiten teils in aufsteigender, teils in absteigender Reihenfolge 
vornahm, so mufste eine Hauptzeit, welcher eine fast gleiche 
vorangegangen war, einen entschiedenen Vorzug besitzen. Was 
dann das Periodizitätsgesetz für den konstanten Fehler anbe¬ 
trifft, so nimmt allerdings nach den Zahlen der Tabelle dieser 
Fehler mit aufserordentlicher Regelmäfsigkeit zu und ab. Allein 
gerade diese aufserordentliche Regelmäfsigkeit kommt mir ver¬ 
dächtig vor. Denn da der konstante Fehler bis zur Hauptzeit 
2,15 Sek. den Wert 0,02 Sek. und bis zur Hauptzeit 6,40 Sek. 
den Wert 0,04 Sek. nicht überschreitet, so könnte sich, selbst 
wenn wirklich in den Grundlagen der Zeitschätzung eine 
Periodizität des konstanten Fehlers begründet wäre, diese 
Periodizität doch nur durch einen fabelhaften Zufall in den 
minimalen Variationen des konstanten Fehlers mit solcher Regel¬ 
mäfsigkeit gezeigt haben. Dazu würden denn doch neben einer 
ganz aufsergewöhnlichen Präzision in der Zeitschätzung viel 
zahlreichere Versuche und eine von physikalischen Fehlerquellen 
freiere Versuchsanordnung erforderlich gewesen sein. (Ich habe 
besonders in Rücksicht auf diesen Fall die Fehlerquellen des
        

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