Bauhaus-Universität Weimar

Vier die Schätzung Meiner Zeitgröfsen. 
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Wartung, bezw. der Nebeneindruck der Überraschung nimmt 
immer mehr ab, und jeder Schall wird schliefslich wieder gerade 
in dem Augenblicke erwartet, in welchem er eintritt. Dem¬ 
entsprechend geben auch die Versuchspersonen an, dafs ihnen 
die Zeiten anfangs gröfser bezw. kleiner vorgekommen seien 
als später. Bei einer schnellen Schlagfolge ist aber eine gröfsere 
Konzentration der Aufmerksamkeit erforderlich, damit dieselbe 
jedem Eindruck schon entgegenkommen kann. Achtet man 
dann länger auf eine derartige schnelle Schlagfolge, so macht 
sich leicht eine Ermüdung der Aufmerksamkeit bemerklich, 
welche bewirkt, dafs die einzelnen Schläge nicht mehr klar 
aufgefafst werden. Bei den langsamen Schlagfolgen macht sich 
dagegen eine Erschlaffung der Aufmerksamkeit bemerklich und 
man fühlt sich leicht gelangweilt. 
Dafs die Nebeneindrücke der Spannung der Erwartung 
und der Überraschung wirklich diejenigen psychischen Inhalte 
sind, auf die wir uns beim Vergleichen kleiner Zeitgröfsen 
stützen, wird noch wahrscheinlicher durch Kontrasterschei¬ 
nungen, welche sich nach einer längere Zeit fortgesetzten Ein¬ 
übung auf irgend ein Intervall zeigen. Hat man z. B. bei 
Versuchen über die Unterschiedsempfindlichkeit nach der Me¬ 
thode der mittleren Fehler längere Zeit mit einer Hauptzeit 
von 0,7 Sek. operiert und geht dann plötzlich zu einer Haupt¬ 
zeit von 0,8 Sek. über, so schwillt die Erwartungsspannung vor 
Eintritt des das neue Intervall abschlielsenden Schalls besonders 
stark und rasch an, und das Intervall erscheint auffallend lang. 
Ebenso ist auch, wenn man nach der Einübung auf die Haupt¬ 
zeit von 0,7 Sek. zu einer kleineren Hauptzeit übergeht, der 
Nebeneindruck der Überraschung anfangs sehr stark und das 
neue Intervall erscheint auffallend kurz. Bei öfterer Wieder¬ 
holung des neuen Intervalls nehmen dann die Neben ein drücke 
bald ab, und das Intervall scheint kleiner bezw. gröfser zu 
werden. So kann ein und dasselbe Intervall, z. B, 0,6 Sek., 
bald verhältnismäfsig kurz, bald verhältnismäfsig lang er¬ 
scheinen, je nachdem eine Einübung auf eine längere oder auf 
eine kürzere Zeit vorangegangen ist. 
Die Aufmerksamkeit stellt sich aber nicht nur auf eine 
Reihe gleicher aufeinanderfolgender Intervalle ein, sie kann 
sich vielmehr auch zwei verschiedenen, unmittelbar aufeinander 
folgenden Intervallen anpassen. Vergleicht man nämlich öfter
        

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