Bauhaus-Universität Weimar

Vier die Schätzung kleiner Zeitgrößen. 
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der That wird nun diese Vermutung bestätigt durch die fol¬ 
genden Erscheinungen : 
1. Spannt man auf eine Kymographiontrommel einen Bogen 
Papier, auf dessen rechter Hälfte äquidistante Linien in z. B. 
1 cm Entfernung, auf dessen linker Hälfte dagegen solche 
Linien in wesentlich gröfseren Abständen gezogen sind, und 
läfst man nun einmal durch den Ausschnitt eines Vorgesetzten 
Schirmes die Linien der linken Hälfte beobachten, während zu¬ 
gleich die rechte Hälfte verdeckt ist, und dann die Linien der 
rechten Hälfte bei verdeckter linken, so scheinen im letzteren 
Falle die Linien sich wesentlich rascher zu bewegen. 
2. Eine Trommel, auf welche ein Bogen Papier mit Linien 
in allmählich sich vergröfsernden Abständen geklebt ist, scheint 
sich mit ungleichmäfsiger Geschwindigkeit zu bewegen. Die 
in gröfseren Abständen gezogenen Linien scheinen sich lang¬ 
samer zu bewegen, als diejenigen, welche dichter nebenein¬ 
ander stehen. 
3. Hat man einige Zeit die Bewegung von Linien durch 
den Ausschnitt eines Schirmes beobachtet, so scheint ihre Ge¬ 
schwindigkeit zuzunehmen, wenigstens wenn die Geschwindigkeit 
so grofs ist, dafs die Einzelbeobachtung jeder Linie einige 
Anstrengung der Aufmerksamkeit erfordert. 
Die ersten beiden Thatsachen lassen sich offenbar nur 
durch die obige Annahme erklären, da die beiden Fälle der 
wirklich gröfseren Rotationsgeschwindigkeit und der gröfseren 
Anzahl von Linien in kleineren Abständen nur den Umstand 
gemeinsam haben, dafs die Aufmerksamkeit mehr angestrengt 
werden mufs, um allen Linien einen Augenblick zu folgen. 
Durch dieselbe Annahme erklärt sich dann auch leicht die dritte 
Thatsache, da die bei den rasch aufeinanderfolgenden Augen¬ 
bewegungen bald eintretende Ermüdung der Muskeln bezw. 
der motorischen Zentralorgane bewirkt, dafs die Augen später 
unwillkürlich an jeder Linie etwas länger haften als anfangs. 
Hierbei wird aber aufser der Nerv-Muskelermüdung auch noch 
eine Erschlaffung der Aufmerksamkeit in Frage kommen ; 
wenigstens deutet die folgende vierteVersuchsthatsache darauf hin. 
4. Man ziehe auf beide Hälften der Trommel Linien in 
denselben Abständen und lasse dann eine Versuchsperson einige 
Zeit die Linien der einen Hälfte bei Verdeckung der anderen 
beobachten, bis die Linien sich infolge von Ermüdung rascher
        

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