Bauhaus-Universität Weimar

Zwangsvorstellungen ohne Wahnideen. 
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eine Strecke weit von ihm entfernt hatte, schien er sich plötz¬ 
lich zu besinnen; er kehrte sofort zurück, vollzog sorgfältig 
die gewohnte Ceremonie und schlug dann die frühere Richtung 
wieder ein, ohne einen einzigen Pfosten zu übergehen, bis er 
die Stelle des Strafsenübergangs erreicht hatte.“ Sheridan 
versicherte einem Herrn Whyte, welcher den Vorgang erzählt, 
dies sei bei aller Seltsamkeit Johnsons unwandelbare Gewohn¬ 
heit (S. 497). 
Ich mufs noch erwähnen, was Boswell über Johnsons 
eigentümliches Benehmen beim Reden und beim ruhigen, nach¬ 
denklichen Sitzen mitteilt. „Gewöhnlich hatte er den Kopf 
auf die rechte Schulter geneigt und schüttelte ihn mit zittern¬ 
der Bewegung, während er den Körper vorwärts und rückwärts 
neigte und sich in derselben Richtung sein linkes Knie mit 
der Hohlhand rieb. Während der Sprechpausen machte er 
verschiedene Geräusche mit seinem Munde, manchmal in der 
Art des Wiederkäuens oder Schmatzens, manchmal, indem er 
leise pfiff, manchmal liefs er die Zunge vom Gaumendache 
nach rückwärts spielen, ähnlich dem Glucksen einer Henne, 
manchmal schleuderte er sie nach vom gegen das Zahnfleisch 
des Oberkiefers, als wenn er das Wort too, too, too schnell 
und leise ausspräche, alles das, bisweilen von einem gedanken¬ 
vollen Blick, öfter aber von einem Lächeln begleitet. Wenn 
er im Verlaufe eines Disputs eine Periode beendigt hatte und 
dann durch Heftigkeit und lautes Sprechen ermüdet war, so 
pflegte er seinen Atem von sich zu blasen, wie ein Walfisch.“ 
(S. 498.) 
Mrs. Thrale beschreibt Johnson im Alter von 56 Jahren und 
sagt, „dafs er den schrecklichen Zustand seines Geistes oft 
bejammerte, welcher beinahe verstört sei. Er nahm uns, d. h. 
Thrale und seiner Frau, die feierlichsten Gelöbnisse ab, diese 
befremdliche Sache geheim zu halten. Doch als wir ihn eines 
Morgens besuchten und anhörten, wie er den Pfarrer von 
Lewes, Dr. Delap, der sich gerade von ihm verabschiedete, in 
den leidenschaftlichsten Ausdrücken anflehte, für ihn zu beten, 
da fühlte ich mich vom tiefsten Schmerz ergriffen, und ich 
entsinne mich wohl, dafs mein Gatte unwillkürlich die Hand 
an den Mund legte, um ein verletzendes Wort zurückzuhalten, 
das sich ihm aufdrängte, als er einen Menschen in so erregter 
Weise von Dingen reden hörte, die ihm niemand glauben
        

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