Bauhaus-Universität Weimar

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B. Hack Tuke. 
Sitz zu, mischte sich plötzlich in die Unterhaltung ein und 
brach in eine Invektive gegen Georg II aus. Kurzum, er zeigte 
eine solche Macht der Beredsamkeit, dafs Hogarth ihn ganz 
erstaunt ansah und wirklich meinte, es sei in diesem Augen¬ 
blick eine Inspiration über den Idioten gekommen.“ Das war 
kein anderer als Samuel Johnson. Zeitweise litt er an einer 
schweren Depression. Boswell sagt, dafs „er im Alter von 
55 Jahren von einem schweren Rückfall jenes hypochondrischen 
Übels betroffen wurde, welches stets über ihm schwebte.“ 
„Eines Tages“, sagt Boswell, „fand Dr. Adams ihn in einem 
bejammernswürdigen Zustande, seufzend, jammernd, mit sich 
selbst redend — was eine Eigentümlichkeit von ihm war, 
solange ich ihn kannte — und ruhelos von Zimmer zu Zimmer 
wandernd. Er gab damals dem Elend, welches er empfand, 
folgenden emphatischen Ausdruck: „Ich würde mir ein Glied 
abnehmen lassen*, wenn ich dadurch meine Stimmung ver¬ 
bessern könnte.“ Diejenige geistige Absonderlichkeit indessen, 
auf welche ich aufmerksam machen möchte, war nach den 
Worten seines Biographen „seine peinliche Geflissenheit, eine 
Thür oder einen Durchgang in einer bestimmten Anzahl von 
Schritten von einem bestimmten Punkte an gerechnet zu durch¬ 
schreiten oder doch wenigstens so, dafs entweder der rechte oder 
der linke Eufs ich weiis nicht sicher, welcher — regelmäfsig 
den ersten Schritt that, wenn er an die Thür oder an den Durch¬ 
gang herankam. So vermute ich, denn bei unzähligen Gelegen¬ 
heiten habe ich bemerkt, wie er plötzlich stille stand und dann 
mit tiefem Ernst seine Schritte zu zählen schien. Hatte er jene 
gewissermafsen magische Bewegung versäumt oder einen Fehler 
darin gemacht, so sah ich ihn wieder zurückgehen und sich in 
eine angemessene Positur stellen, um die Ceremonie von neuem 
zu beginnen. Wenn er sie vollendet hatte, rifs er sich aus seiner 
Geistesabwesenheit los und schritt munter voran, um seinen Be¬ 
gleiter zu erreichen.“ (1. c. vol.l. p.497.) Eines Tages erwartete 
Sheridan ihn zum Mittagessen und sah ihn von ferne herankom¬ 
men. Er „bewegte sich einher mit sonderbar feierlichem Gebaren 
und ungeschicktem, gemessenem Schritte. Gepflasterte Bürger¬ 
steige gab es damals noch nicht in allen Strafsen Londons, und 
statt dessen waren zum Schutze gegen die Wagen Steinpfosten 
angebracht. Auf jeden dieser Pfosten legte er im Vorübergehen 
bedächtig seine Hand; als er einen verfehlt und sich schon
        

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