Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
H. Höffding: Über Wiedererkennen, Association und psychische Aktivität. Vierteljahresschr. f. wiss. Phil. XIII, 4, S.420-458, XIV, 1, S. 27-54, XIV, 2, S.167-205
Person:
Schumann
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit14980/1/
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Litteraturbericht. 
Die sorgfältigen und zahlreichen Versuche erstreckten sich blofs 
auf 5 Distanzen (1; 2, 5; 5; 10; 20 cm), und die wichtigsten Thatsachen, 
der Gang des konstanten Fehlers und der U. E., sind unerklärt gehliehen. 
O. Külpe (Leipzig). 
H. Höffding. Über Wiederkennen, Association und psychische Akti¬ 
vität. Vierteljdhrsschr.f.wiss.Phü.XIII.,4, S.420—458; XIV., 1, S.27—54; 
XIV., 2, S. 167—205. 
In dieser noch nicht vollständig erschienenen Abhandlung behandelt 
der Verfasser in fünf Abschnitten 1. das unmittelbare Wiederkennen, 
2. die Voraussetzungen der Berührungsassociation, 3. die Ähnlichkeits¬ 
association, 4. das Verhältnis zwischen der Vorstellungsassociation und 
der vergleichenden Denkthätigkeit, 5. den Begriff der psychischen 
Aktivität im allgemeinen. Vollständig liegen bis jetzt nur die ersten 
drei Abschnitte vor. 
Nach einer kurzen Einleitung, in welcher der Verfasser die innere 
Verbindung zwischen diesen verschiedenen Problemen auseinandersetzt, 
sucht derselbe im ersten Abschnitt die Theorie des unmittelbaren "Wieder- 
kennens, welche er schon in seinem Lehrbuche der Psychologie dar¬ 
gestellt hat, ausführlicher zu begründen. In vielen Fällen, in welchen 
die Selbstbeobachtung nicht die geringste Spur von anderen durch die 
erkannte Erscheinung erweckten Vorstellungen zeige, sei die Auffassung 
des Unterschiedes zwischen etwas Bekanntem, Vertrautem und etwas 
Neuem, Fremdem eine unmittelbare. Der Unterschied sei so einfach 
und klar, dafs er sich ebenso wenig näher beschreiben lasse, wie der 
Unterschied zwischen Lust und Unlust oder zwischen Gelb und Blau; er 
sei ein unmittelbarer Qualitätsunterschied. Da nun diese Bekanntheits¬ 
qualität jedenfalls irgendwie mit dem früheren Vorhandensein der Em¬ 
pfindung im Bewufstsein Zusammenhängen müsse, so sei sie offenbar durch 
eine Nachwirkung des früheren Zustandes hervorgerufen. Ferner sei 
die einfachste Annahme hinsichtlich dieser Nachwirkung, dafs dieselbe 
in der gröfseren Leichtigkeit bestehe, mit welcher bei Wiederholung ein 
Zustand eintrete. Die von anderer Seite aufgestellte Erwartungstheorie, 
welche annimmt, dafs man von einem zusammengesetzten Empfindungs¬ 
komplexe (A -f- B + C + . . ,) zunächst nur einen Teil, z. B. A, wahr¬ 
nimmt, dafs dieser die übrigen Theile reproduziert und dafs dann durch 
die Übereinstimmung der reproduzirten Vorstellungen 6, c, d . . . mit 
den darauf eintretenden Empfindungen B, C, D . . . das Wiederkennen 
bedingt ist, erkennt der Verfasser als richtig an, sucht aber nachzuweisen, 
dafs diese Theorie nicht für alle Fälle pafst. Man könne z. B. glauben, 
ein Gesicht zu kennen, obgleich nur ein einzelner Zug, z. B. das Auge, 
dem eines bekannten Menschen ähnlich sei. Würde nun in solchen 
Fällen das Auge Vorstellungen von der Stirn, dem Munde etc. des 
wirklich bekannten Menschen reproduzieren, so müfsten diese Vor¬ 
stellungen ja gleich in Streit mit den wirklichen Empfindungen geraten 
und ein Wiederkennen unmöglich machen. Ferner setzt sich der Ver¬ 
fasser noch mit den Einwänden auseinander, welche von A. Lochen 
in einer Schrift (Spörgsmaal verkommende de afasiske Sygdomme, Christiania 
1888) gegen die Annahme des unmittelbaren Wiederkennens erhoben
        

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