Bauhaus-Universität Weimar

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Th. Lipps. 
Länge des während der Blickbewegung entstandenen Nachbild- 
streifens überschätzt werde“ etc. Ich erkläre, wie jeder Leser 
meines Aufsatzes weifs, die Erscheinung aus einer nicht an¬ 
genommenen, sondern thatsächlichen Unterschätzung jenes 
Winkels, und von einer Schätzung der Länge des Streifens, 
sei sie Über- oder Unterschätzung, ist bei mir mit keiner Silbe 
die Bede. 
Dies dürfte zur Charakteristik meines Gegners genügen. 
Um der Sache willen folge ich Schwarz’ Gedankengängen 
noch etwas weiter. Schwarz nennt jenen Streifen einen regel¬ 
widrigen und meint, es sei nach meiner Auffassung unerklärlich, 
warum er wesentlich heller erscheine, als der ordnungsgemäfse, 
d. h., als das positive Nachbild, das ihm nach einiger Zeit 
nachzufolgen pflegt. Darin zeigt sich eine völlige Unklarheit 
über das, worum es sich in der ganzen Sache handelt. 
Was ist der Streifen, von dem ich rede? Nichts als ein 
höchst einfaches und selbstverständliches Beispiel der jedermann 
bekannten und bei allen Lichteindrücken unvermeidlichen un¬ 
mittelbaren Nachdauer eben dieser Lichteindrücke. Jeder weifs, 
dafs die vor dem ruhenden Auge rasch vorbeibewegte glühende 
Kohle das Bild eines leuchtenden Streifens ergiebt. Genau 
dasselbe Bild mufs sich ergeben, wenn die glühende Kohle 
ruht und statt ihrer der Blick sich bewegt. Solche Streifen 
sind es, von denen ich in meiner Abhandlung einzig rede. 
Das positive Nachbild, das ihnen nach einiger Zeit folgt, und 
das allerdings viel lichtschwächer ist, kommt für das ganze 
Problem in keiner Weise in Betracht. Auch jene unmittelbare 
Nachdauer ist freilich ein „Nachbild“, und zwar ein positives 
Nachbild, und ich habe es in meiner Abhandlung gelegentlich 
ausdrücklich so genannt. Zugleich aber habe ich es als „un¬ 
mittelbare Beiznachwirkung“, als „Nachbild in diesem Sinne“ 
von allen sonstigen Nachbildern genügend deutlich unter¬ 
schieden. 
Es ist also der „regelwidrige“ Lichtstreifen die ordnungs- 
gemäfseste Sache von der Welt und gar keiner Erklärung be¬ 
dürftig. Eine Erklärung fordert einzig die Lokalisation des¬ 
selben. Meine Erklärung dieser Lokalisation beruht, wie gesagt 
— im Gegensatz zu der des „Unbekannten“ — auf der That- 
sache der Unterschätzung rascher Blickbewegungen. Mit solcher 
Unterschätzung geht allemal notwendig die Vorstellung einer
        

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