Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
J. Payot: Comment la sensation devient idée. Revue philosophique, Bd. 31, 6, Juni 1891, S. 611-633
Person:
Giessler, R.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit14927/1/
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Litter aturberiehl. 
Bourdon einen bemerkenswerten Fortschritt auf dem Gebiete der Asso¬ 
ziation der Vorstellungen. M. Giessler (Erfurt). 
J. Payot. Comment la sensation devient idée. Revue philosophique. Bd. 
31, (6. Juni 1891) S. 611—633. 
Das Problem wird zuerst im allgemeinen, sodann in spezieller 
Weise behandelt. 
Die Empfindung ist zuerst affektiver Natur. Sie erfüllt das Bewufst- 
sein vollständig und nimmt die ganze Aufmerksamkeit für sich in An¬ 
spruch. Aber allmählich werden die Reaktionen, welche die häufigsten 
Empfindungen begleiten, in eins zusammengefafst, sie vollziehen sich 
rascher, so rasch, dafs sie einem einfachen Zustande gleichkommen. Die 
Erregungen geschehen von jetzt an plötzlich, so dafs das Bewufstsein 
keine Zeit findet zu erscheinen, es entsteht der Reflex. Zwischen beiden 
Extremen liegen solche Reaktionen, welche zu ihrer Entwickelung einige 
Zeit in Anspruch nehmen, so dafs sie bewufst werden, ohne jedoch das 
Bewufstsein ganz zu erfüllen. Diese Zustände des Bewufstseins sind 
weniger umfassend, unbestimmt und durch das Gefühl gefärbt als viel¬ 
mehr gefühlsarm, bestimmt und deutlich abgegrenzt. Dadurch wird es 
uns möglich, Unterschiede und Ähnlichkeiten zwischen ihnen zu be¬ 
merken. 
Da die gewohnten Eindrücke weder Freude noch Schmerz in uns 
hervorrufen, so dient die Empfindung nur als Zeichen für etwas aufser 
uns. Infolgedessen wendet sich die Aufmerksamkeit nicht dem Gefühls¬ 
element zu, welches mit jeder Empfindung verknüpft ist, sondern sie 
richtet sich nach aufsen. Die Empfindungen werden aber sofort wieder 
affektiver Natur, sobald die durch sie veranlafsten Wahrnehmungen in 
Unordnung geraten. 
Die blitzartig im Bewufstsein erscheinende und sogleich wieder ver¬ 
schwindende Empfindung ruft zahlreiche Empfindungen von Unterschieden 
und Ähnlichkeiten mit früheren Empfindungen hervor. Diesen Beziehungen 
wendet sich die Aufmerksamkeit zu. Der Geist gerät nämlich durch 
das Auftauchen der verschiedenartigsten heterogenen Empfindungen in 
Verwirrung und sucht die entstandene Unordnung dadurch zu beseitigen, 
dafs er Beziehungen aufsucht, namentlich Beziehungen von Ähnlichkeit 
und Unähnlichkeit zwischen den Empfindungen, und endlich zwischen 
den Beziehungen selbst. Er klassifiziert sie und organisiert sie. (Diese 
Beziehungen aber sind die Vorstellungen.) Von dem Grade der Erfassung 
von Ähnlichkeiten und Unähnlichkeiten hängt der Grad der Abstraktion 
ab, wie er sich in den sprachlichen Bezeichnungen der einzelnen Völker 
kundgiebt. 
Tausendfache Eindrücke stürmen auf das neugeborene Kind ein. 
Erst allmählich erlangen die sich wiederholenden Eindrücke Bestand. 
Das Kind formt sie zu kleinen Komplexen. Es erfafst die Beziehungen 
zwischen diesen Komplexen, welche durch die Gewohnheit handlicher 
geworden sind. Es erkennt die Personen und Gegenstände seiner Um¬ 
gebung. Schon hier tritt die aktive Empfindung in den Hintergrund 
und zwar um so mehr, je gröfsere Gruppen von Beziehungen das Kind
        

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