Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bourdon: Les résultats des théories contemporaines sur l'association des idées. Revue philosophique, Bd. 31, 6, Juni 1891, S. 561-610
Person:
Giessler, R.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit14924/1/
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Litteraturbericht. 
Bourdon. Les résultats des théories contemporaines sur l’association 
des idées. Revue philosophique. Bd. 31, 6 (Juni 1891) S. 561—610. 
Der Verfasser kritisiert zunächst die Ansichten von James Mill, 
Spencer, Bain, Mervoyer, Wundt, M. Paulhan nnd William James Über 
den vorliegenden Gegenstand. Er wirft ihnen vor, dafs sie immer nur 
von Assoziation von Vorstellungen sprechen, nicht aber von Assoziationen 
von Empfindungen, Wahrnehmungen und Objekten, dafs sie ferner immer 
nur die Ähnlichkeit in Bezug auf die Zeit ins Auge fassen, nicht aber 
die Ähnlichkeit in Bezug auf den Raum. Auch sei in vorliegendem 
Falle die scharfe Unterscheidung von Vorstellung, Empfindung und Ob¬ 
jekt nicht zu billigen. Im Gegensatz zu den erwähnten Psychologen 
will Bourdon Assoziationsgesetze aufstellen nicht nur für die Vorstellungen, 
sondern auch für die Empfindungen und Objekte. Er nennt sie Gesetze 
von der Gesellschaft der Erscheinungen (lois de la société des phéno 
mènes), richtiger hätte er sie nennen sollen lois des sociétés des phéno¬ 
mènes). Die Idee der Gesellschaft fällt bei ihm zusammen mit der Idee 
der Ähnlichkeit. Unter den verschiedenen Arten von Ähnlichkeiten, 
welche das Entstehen einer Gesellschaft von Erscheinungen zur Folge 
haben können, nennt er die Ähnlichkeiten in Bezug auf : 
' Intensität TT 
Vergnügen . 
Quantität 
Ausdehnung ; 
Dauer 
Qualität ; Affektivität 
Schmerz 
Stellung i ; Zahl ; Anordnung. 
' im Raume 
Zwischen einzelnen Arten von Ähnlichkeiten bestehen Wechsel¬ 
wirkungen, nämlich : 
1. Die Ähnlichkeit in Bezug auf die Intensität fällt im allgemeinen 
zusammen mit der Ähnlichkeit in Bezug auf Ausdehnung und Dauer. So 
z. B. besitzen gröfsere Buchstaben und lange Silben gröfsere Intensität als 
kleine Buchstaben und kurze Silben. 
2. Ähnlichkeit in Bezug auf Intensität begleitet im allgemeinen 
Ähnlichkeit in Bezug auf Zeit und Raum. So müssen z. B. zwei gleich 
intensive Töne auch zu gleicher Zeit existieren. Denn wenn der eine 
nur eine Minute später aufträte als der andere, würde ersterer schon 
der Vergangenheit anheimgefallen sein und, in der Erinnerung wieder¬ 
kehrend, nicht dieselbe Intensität besitzen wie letzterer. Auch werden 
zwei ausgedehnte Objekte nur, wenn sie dieselbe räumliche Stellung be¬ 
wahren, dem Beschauer mit derselben Intensität oder Klarheit erscheinen. 
3. Ebenso giebt es auch eine ähnliche Beziehung zwischen der An¬ 
ordnung der Intensitäten einerseits und der zeitlichen und räumlichen 
Anordnung andererseits. 
4. Ähnlichkeit in Bezug auf die Eigenschaft zieht in hohem Grade 
Ähnlichkeit in Bezug auf die Zeit nach sich. So z. B. kann man eine 
Reihe gleicher Buchstaben rascher übersehen als eine Reihe ungleicher. 
5. Ebenso macht sich eine Beeinflussung der Ähnlicheit in Bezug 
auf die Qualität durch die Ähnlichkeit in Bezug auf die Zeit geltend. 
So z. B, identifizieren sich die Dinge und ihre Beziehungen. Gleichzeitig 
zusammenlebende Wesen streben danach, einander ähnlich zu werden.
        

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