Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bericht über die Leistungen auf dem Gebiet der Anatomie des Centralnervensystems im Laufe der Jahre 1890, Selbstanzeige. Schmidts Jahrbücher, Bd. CCXXXII
Person:
Edinger, L.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit14908/8/
Jjitteraturbericht. 
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11. Gehirnnerven beschäftigen, nur ist auffallend, dafs Koch den vorderen 
Vaguskern nicht als zum Nerv gehörig anerkennen will. Den Glossopha- 
ryngeus leitet er fast ganz aus dem solitären Bündel ab. Schliefslich 
sei noch auf zwei Arbeiten hingewiesen, welche sich mit den langen 
Bahnen beschäftigen. Bechterew 1 2 schildert die Ungleichheiten, welche 
bei verschiedenen Kindern in der Ausdehnung und Lage der Pyramiden¬ 
bahnen Vorkommen, und die gleichen Verhältnisse bei verschiedenen 
Tieren. Er schliefst sich Spitzka an, welcher glaubt, dafs die Entwickelung 
der Pyramidenbahnen mehr oder weniger abhängig sei von der Aus¬ 
bildung der Extremitäten für feinere Bewegungen. Flechsig1 8 ist an einem 
porencephalischen Defekt der Nachweis gelungen, dafs die Fasern der 
Bindenschleife ohne Unterbrechung aus dem Vorderhirn bis zu den Kernen 
des gekreuzten Hinterstranges gelangen. Flechsig vermutet aber, dafs 
in diesen Kernen auch Fasern entspringen, welche aufsteigend, also hirn- 
wärts entarten. Nach des Beferenten Ansicht endigt dieser Anteil der 
Schleife in den Vierhügeln. Dafür sprechen entwickelungsgeschichtliche 
Erfahrungen und Besultate neuerer Experimente. 
Noch in keinem Berichtsjahre haben wir über das Bückenmark 
so viel Neues und Wichtiges erfahren, wie in dem jetzigen. Die Golgi- 
CAJALsche Methode, die auf die WEiGERTSche Färbung gegründete, von 
Gaule exakt durchgebildete Faserzählung, die Verbesserung des Degene¬ 
rationsverfahrens durch Marchi, sie alle haben glänzende Besultate er¬ 
geben. Über die wichtigen Arbeiten von Bamon t CajalV und von 
Kölliker6—8, die erst im Berichtsjahre erschienen sind, ist schon vor 
einem Jahre an dieser Stelle referiert worden. Die Anschauungen, zu 
welchen diese Autoren gekommen sind, bereiten vielfach eine Umwälzung 
vor. Das Wichtigste ist der Nachweis von Kollateralen, welche von den 
1 Bechterew', W. über die relative Ausbildung und verschiedene Lage 
der Pyramidenstränge beim Menschen und bei den Tieren und über das 
Vorhandensein in diesen Strängen von Fasern, die sich durch ihre 
frühere Entwickelung auszeichnen. Med. Abosr. Moskwa 1890. No. 13—14. 
(Bussisch.) 
2 Derselbe. Über die verschiedenen Lagen und Dimensionen der 
Pyramidenbahnen beim Menschen und den Tieren und das Vorkommen 
von Fasern in denselben, welche sich durch eine frühere Entwickelung 
auszeichnen. Neurolog. Centr.-Bl. IX. 24. 1890. 
8 Flechsig, P., und 0. Hösel. Die Centralwindungen ein Central¬ 
organ der Hinterstränge. Neurolog. Centr.-Bl. IX. 14. 1890. 
4 Bamon t Cajal, S. Sobre la existencia de terminaciones nerviosas peri- 
celulares en los ganglios nerviosas raqaidianos. Sonderabdr. ohne Angabe des 
Druckortes, datiert 20. Dez. 1890. 
5 Derselbe. Nuevas observaciones sobre la estructura de la médula 
espinal de los mamiferos. Trabajos del Laboratorio Anatomico de la Facultad 
de Medecina. April 1890. 
6 Kölliker, A. v. Über den feineren Bau des Bückenmarks. (Vor¬ 
läufige Mitteilung.) Sitz.-Ber. d. Würzb. phys.-med. Ges. März 8. 1890. 
7 Derselbe. Über den feineren Bau des Bückenmarks menschlicher 
Embryonen. Sitz.-Ber. d. phys.-med. Ges. Juli 12. 1890. 
8 Derselbe. Zur feineren Anatomie des centralen Nervensystems. 
2. Beitrag. Das Bückenmark. Mit Tafeln I—VI. Zeitschr. f. wissenseh. 
Zool. LI. p. 1. 
Zeitschrift für Psychologie III. 
27
        

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