Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Marie Manacéine: Le surmenage mental dans la civilisation moderne, Effets-causes-remèdes. Traduit du russe par E. Flaubert. Avec une préface par Charles Richet, Paris, Librairie A. Hermann, 1891
Person:
Tönnies, F.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit14895/2/
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Litteralurhericht. 
Schaft Beteiligten, und da diese zugleich die höhere und vermögende zu 
sein pflegt, so stehen ihr wiederum viele günstige Bedingungen und 
auch Verfügung über Heilmittel (Badereisen u. s. w ) helfend zur Seite. 
Gleichwohl wird diese Schicht niemals auf die Dauer mehrerer Gene¬ 
rationen mit Glück sich aus sich selber ergänzen können — aus 
anderen Ursachen und auch wegen des surmenage mental. Damit zu¬ 
sammenhängend, aber doch noch weit mannigfacher bedingt, ist die That- 
sache, dafs die gesamte städtische und industrielle Bevölkerung, je mehr 
sie als solche ausgeprägt ist, um so weniger die Erneuerung von aufsen 
her entbehren kann, dafs folglich ein ganzes Volk, indem es städtisch 
und industriell wird, zuletzt die Quellen seines Lehens von sich ab¬ 
schneidet. Gute Bemerkungen hierüber findet man in dem rasch bekannt 
gewordenen Buche von G. Hansen „Die 3 Bevölkerungsstufen“ (München 1889). 
Es sind zwei verschiedene Phänomene, ein kleineres und ein gröfseres 
— die Verfasserin scheint mir beide zu vermischen, indem sie sie unter 
den 1. Gesichtspunkt zwingt, der für das kleine am meisten charak¬ 
teristisch ist. Denn viel schwerer wiegen diejenigen Ursachen der 
Degeneration, welche auf die Masse drücken, als ungesunde Beschäf¬ 
tigungen, Überarbeit, Nachtarbeit, miasmatische Wohnung, mangelhafte 
Ernährung und das ganze Käfiglehen der Strafse. Laster kommen dazu 
— aber diese wirken auch in der oberen Schicht, und zwar verhältnis- 
mäfsig bei weitem stärker. — Im ganzen und grofsen ist aber mit 
Konstatierung aller solcher Thatsachen nicht viel Erspriefsliches gethan, 
ebensowenig mit dem Anpredigen von Heilmitteln und mit düsteren Be¬ 
trachtungen über die Erblichkeit, worin auch dieses Büchlein sich er¬ 
geht. An exakten Untersuchungen über Vererbung psychischer Eigen¬ 
schaften, erworbene Modifikationen, gesunde wie kranke, leiden wir 
trotz der Arbeiten Galtons und anderer noch sehr erheblichen Mangel. 
— Hecht hübsche psychologische Erörterungen wird man antreffen über 
das Lesen (157), besonders das Zeitunglesen und seine Wirkungen; 
interessante medizinische — nach Meynert, Peter, Charpentier — über 
die Bedeutung des Gefäfssystems (196); und so noch viele merkwürdige 
Dinge, aus der modernsten Litteratur angesammelt. 
F. Tönnies (Kiel).
        

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