Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Georg Hirth: Aufgaben der Kunstphysiologie. München und Leipzig, G. Hirths Kunstverlag, 1891
Person:
König, Arthur
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit14891/2/
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Litteraturbericht. 
des vorliegenden Werkes folgt ihnen in diesen Bestrebungen, und zwar 
in einer den Anschauungen und Bezeichnungsweisen der Künstler von Beruf 
manchmal vielleicht noch besser sich anpassenden Torrn der Darstellung, 
als seine Vorgänger. 
Die Stellung, welche er als Endergebnis seiner Untersuchungen 
gegenüber der Kunst und den Aufgaben der Kunstphysiologie einnimmt, 
charakterisiert der Verfasser selbst am besten dadurch, dafs er dem ge¬ 
samten Werke den SßNECASchen Ausspruch: „Omnis ars naturae imitatio 
est“ als Motto vorsetzt. 
In Bezug auf manche Einzelheiten freilich kann der Referent mit 
dem Verfasser nicht übereinstimmen; vor allem aber möchte er wünschen, 
dafs die Bezeichnungen sich an vielen Stellen mehr dem allgemeinen 
Sprachgebrauche anschlössen; so wird z. B. niemand wissen, was er unter 
den Kapitelüberschriften „Das doppelte Lichtbad und die Lichtwage“ 
oder „Unterströmungen im verborgenen Gemerk“ zu verstehen hat, 
bevor er nicht die betreffenden Abschnitte selbst gelesen. Das ist eine 
unnötige Erschwerung für den Leser, welche bei den weniger tief Ein¬ 
dringenden leicht den Gesamteindruck des Werkes benachteiligen könnte. 
Die Ausstattung des Buches ist mustergültig. 
Abthür König. 
Ch. Henry. Harmonies de Formes et de Couleurs. Démonstrations 
pratiques avec le rapporteur esthétique et le cercle chromatique. 
Paris, Librairie A. Hermann, 1891. 65 S. 
Verfasser ist ein Mann von mancherlei Kenntnissen und auch von 
mancherlei eigenen Gedanken, aber die beiden scheinen bei ihm nicht 
den richtigen Umgang miteinander zu pflegen, und so produziert er in 
zahlreichen Publikationen höchst seltsame Dinge. Behufs kurzer Orien¬ 
tierung über ihn greife ich das vorliegende Schriftchen, einen Vortrag, 
heraus. Darin werden neben vielem Allbekannten einige Erfindungen 
mitgeteilt, vermittelst deren die Auffindung wohlgefälliger Paare von 
Farben oder von Lichthelligkeiten, sowie von wohlgefälligen Formen 
„auf streng mathematischer Basis“ ermöglicht werden soll. Das 
Verständnis des Einzelnen ist ohne die Demonstrationen, auf die sich 
der Vortrag bezieht, nicht leicht; über den Wert wird nach einem 
Beispiel niemandem ein Zweifel sein. Das Rezept für die Auffindung 
von angenehm wirkenden Helligkeitspaaren lautet so (falls ich es richtig 
verstehe, was nicht ganz sicher ist). Man erhebe (oder z/s) auf eine 
Potenz, deren Exponent entweder selbst eine Potenz von 2 ist, oder 
eine Primzahl gleich 1 plus einer Potenz von 2, oder endlich ein Produkt 
einer Potenz von 2 mit einer der vorbeschriebenen „rhythmischen“ Zahlen. 
Die gefundene Zahl dividiere man noch so oft durch 2 (oder multipliziere 
sie mit 2), bis das Resultat zwischen 1 und 2 fällt, dann wird ein Licht 
von der Intensität der zuletzt gewonnenen Zahl neben einem Licht von 
der Intensität 1 einen angenehmen Eindruck machen. Vermittelst der 
„rhythmischen Zahlen“ kann man dann auch gleich alle möglichen harmo¬ 
nischen Farbenpaare auffinden; man braucht dazu nur noch eine von 
Henky entsprechend konstruierte und auch bereits publizierte Farben-
        

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