Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A. Szana: Beitrag zur Lehre von der Unermüdlichkeit der Nerven. Dubois Arch., 1891, S. 315-320
Person:
Asher, Leon
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit14880/1/
Litteraturbericht. 
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physischen Ergebnisse scheinen sich mir nicht genug in Anpassung an die 
Relativitäten der Erfahrungswelt zu entwickeln, sie stehen in zu unbe¬ 
dingter, zu erhabener Haltung dem so erschreckend endlichen Erschei¬ 
nungsdasein des Menschen gegenüber. Die Seele ist Selbstbewegung, 
Spontaneität, Freithätigkeit; „sie ist von Anfang an Thätigkeit im höchsten 
Grade und in der Vollendung“ (S. 6); sie besitzt dem Leibe gegenüber 
ein „Fürsichsein und eine selbständige, auf sich selbst ruhende Realität“ 
(S. 8) u. s. w. Auch wenn man zugiebt, dafs dies alles nicht ohne guten 
Sinn ist, so wird man diese Behauptungen doch nicht so ohne weiteres, 
ohne alle näheren Bestimmungen und Einschränkungen, hinstellen dürfen. 
Auch, wo der Verfasser seine Gründe für die Unsterblichkeit der Seele 
entwickelt, läfst er es nach meiner Überzeugung zu sehr an Wenn und 
Aber fehlen. Er gründet die Unsterblichkeit vor allem darauf, dafs die 
sittliche Anlage des Menschen, weil sie im irdischen Dasein nicht voll¬ 
ständig entwickelt werden könne, über dieses Dasein hinausweise (S. 41 ff.). 
Er giebt zwar zu, dafs hiermit die Unsterblichkeit nicht in adäquater und 
vollendeter Weise bewiesen sei; doch hofft er, dafs wir es zu einer solchen 
Erkenntnis einst bringen werden (S. 44). 
Im besonderen nun scheinen mir die Erörterungen Kyms an zwei 
Mängeln zu leiden. Erstens führen fast alle seine Schlüsse in Wahrheit 
nur bis zur Immaterialität der seelischen Vorgänge, nicht aber bis zur 
Substantialität („Selbstrealität“) der Seele. Die Thatsache der Empfindung, 
ebenso die des Selbstbewufstseins, des Denkens u. s. w. zwingen zunächst 
nur zu der Annahme, dafs die seelischen Vorgänge etwas von allem 
Materiellen Grundverschiedenes sind, während für den Verfasser diese 
Eigenexistenz der seelischen Erscheinungen sofort den metaphysischen 
Sinn eines besonderen einheitlichen Seelenwesens annimmt (S. 13, 15, 21, 
25, 38). Und zweitens verlieren die Ergebnisse des Verfassers darum 
an Überzeugungskraft, weil er mit der Selbständigkeit des Seelenwesens 
immer auch schon dies Weitere bewiesen zu haben glaubt, dafs die Seele 
den Leib organisiert, ihn „aus den physikalisch-chemischen Stoffen aufbaut“ 
(S. 5, 15, 18, 20 u. s. w.). 
Kym gehört zu den Philosophen, denen die Metaphysik die innerste 
Angelegenheit des Kopfes und eine der wichtigsten auch des Herzens 
ist. Im vollen Bewufstsein davon, dafs er wider den Strom schwimme, 
stellt er seine psychologische Grundauffassung in entschiedener und doch 
ruhig sachlicher Weise hin. J. Volkelt (Würzburg). 
A. Szana. Beitrag zur Lehre von der Unermüdlichkeit der Nerven. 
Dubois Arch. 1891. S. 315—320. 
Nachdem die motorischen Nervenendigungen des Kaninchenherzens 
durch Atropin gelähmt waren, wurde der Vagus stundenlang gereizt, 
nach dem Auf hör en der Giftwirkung trat die Vagusverlangsamung auf. 
Die Erscheinung, dafs die Verlangsamung des Herzschlages erst allmählich 
sich ausbildete, liefs sich auf die Thatsache zurückführen, dafs das Gift 
allmählig die Nervenendigungen verläfst: denn verstärkte man beim 
ersten Auftreten der Verlangsamung die Reizstärke, so liefs sich sofort 
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