Bauhaus-Universität Weimar

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■Li liera turbericht. 
kausalitätslos dualistisches Verhältnis, als unerklärliche Simultaneität, 
und dafs ferner dieses schlechtweg gleichgültige Nebeneinander nicht 
etwa nur als etwas vorläufiges Zugestandenes, sondern als endgültige 
Entscheidung der Wissenschaft zu betrachten sei. Ich kann diesem 
Standpunkt gegenüber nicht mit dem Urteil zurückhalten, dafs er der 
Psychologie zumutet, etwas Wunderbares und Widersinniges als letzte 
Grundlage aller ihrer Untersuchungen anzuerkennen. 
Wir sollen uns einerseits ein ausnahmsloses Begleitetwerden der 
Glieder der seelischen Reihe von solchen der körperlichen vorstellen 
und andererseits doch jede Abhängigkeit zwischen beiden Reihen — so¬ 
wohl jede unmittelbare, als auch jede durch das Medium eines Absoluten 
hindurch vermittelte — als ausgeschlossen ansehen. Einerseits also 
strengste Simultaneität beider Reihen und andererseits doch weder ein 
unmittelbares, noch mittelbares kausales Verhältnis zwischen ihnen! 
Nur ein hartnäckiges Nichtdenkenwollen kann sich bei diesem Ungedanken 
beruhigen. Um nur ja nicht in die gefürchtete Metaphysik hinein¬ 
zugeraten, legt der Verfasser lieber dem vorwärtsdrängenden Kausa- 
litätsbedürfnis in der Gestalt eines aller Logik widerstreitenden Wunders 
ein unbedingtes Hindernis entgegen. Und dies ist um so auffallender, 
als er selbst eingesteht, dafs weder die Tliatsachen als solche, noch ein 
strenger Vernunftschlufs zur Aufstellung jenes psychologischen Grund¬ 
prinzips nötigen. Der Verfasser erblickt in diesem ein unentbehrliches 
Hülfsprinzip, ein Prinzip, ohne das die Psychologie nicht fortschreiten 
kann, ein Prinzip, das in dem Erfolg des Forschens seine Rechtfertigung 
findet. Nichtsdestoweniger schreibt er diesem Prinzip den Rang eines 
fundamentalen, konstitutiven Axioms der Psychologie zu, das sogar 
höher als die Thatsachen selber stehe (S. 9—11). Ich will an den hierin 
enthaltenen erkenntnistheoretischen Unklarheiten vorübergehen, dagegen 
möchte ich hervorheben, dafs, selbst wenn man dem Verfasser zugiebt, 
dafs der methodisch leitende Grundsatz einer Wissenschaft nicht streng 
bewiesen zu sein brauche, er doch keineswegs geradezu Widersinn ent¬ 
halten dürfe. Der Verfasser spricht öfters aus, dafs mit dem Preisgeben 
jenes parallelistischen und dualistischen Grundsatzes sich die Psycho¬ 
logie ihre Lebensbedingungen rauben, einen Selbstmord an sich voll¬ 
ziehen würde, und dafs darum an jenem Grundsatz nicht gezweifelt 
werden dürfe (S. 11 und sonst). Hier erscheint die experimentelle Psycho¬ 
logie wie ein Götze, der um jeden Preis angebetet werden müsse. Sollte 
wirklich — was ich nicht glaube — das Dasein der experimentellen 
Psychologie an dem Grundsatz jenes unüberbrückbaren Dualismus hängen, 
so müfste eben, wenn es sich zeigt, dafs dieser Grundsatz einen völligen 
Widersinn einschliefst, die Forschungsweise der Psychologie geändert 
werden. — Wäre mir der Raum gegönnt, so würde ich noch auf zwei 
Punkte einzugehen haben: erstlich darauf, dafs, da der Verfasser keine 
unbewufst seelischen Vorgänge zugiebt (S. 87 ff.), und da er überhaupt 
nicht geneigt ist, jedem körperlichen Vorgang einen seelischen ent¬ 
sprechen zu lassen (S. 13), die seelische Reihe eine allenthalben unter¬ 
brochene, zusammenhangslose, für den Kausalitätsbegriff unzugängliche 
Succession darstellt; und zweitens darauf, dafs, da der Verfasser den
        

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