Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
William James: The principles of Psychology. London, Macmillan & Co., New York, Holt & Co. Vol. 1, Vol. 2
Person:
Marty, A.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit14877/4/
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Besprechungen. 
(mind) zu anderen Dingen. Doch wird statt dessen sofort auch 
gesagt: zu anderen Objekten. Und die Äquivokation, die in diesem 
Worte liegt, indem es bald eine vom Bewufstsein unabhängige Wirklich¬ 
keit, bald ein Korrelat des Bewufstseins (den In halt desselben) bezeichnet, 
ermöglicht es dem Verfasser, unter dem obigen Titel eine Beihe von Prob¬ 
lemen zu behandeln, die man sonst nicht beisammen suchen würde: näm¬ 
lich neben der Frage nach der Zahl der fundamental verschiedenen 
Weisen unseres bewufsten Verhaltens zu Objekten auch die ganz andere 
(die aber von der vorigen nicht klar geschieden wird — vgl. auch Kap. X. 
S. 271 ff.), ob unser Bewufstsein Wirkung und Zeichen sogen, äufserei- 
Bealitäten (anderer Geister und materieller Dinge) sei, und weiter die : in 
welchem Verhältnis unsere Seelenzustände zum Baum (Seelensitz) und. 
zur Zeit stehen (m. a. W., ob das Bewufstsein jemals eine völlige Unter¬ 
brechung erfahre). Das IX. Kapitel (The Stream of Thought) will 
mit dem Studium der Seele „von innen“ den Anfang machen, und zwar 
zunächst etwas wie eine Kohlenskizze des inneren Lebens bieten, welche 
nur die Züge, die dem Strome des Bewufstseins als Ganzem charakteristisch 
sind, hervorheben soll. Unter diesen Eigentümlichkeiten betont J. insbe¬ 
sondere, weil sie vielfach verkannt worden seien, den beständigen Wechsel 
im Bewufstsein und seine Kontinuität, und im Zusammenhang mit 
der Lehre von der Kontinuität stellt er eine ganz neue Scheidung der 
psychischen Zustände in substantive und transitive states auf. Beide 
Punkte müssen uns später eingehender beschäftigen. 
Das X. Kapitel (Vom Selbstbewufstsein) enthält aufser einer 
strengeren Untersuchung über das „reine Selbst oder das innere Prinzip 
der persönlichen Identität“ (wo neben der „assoziationistischen Theorie“ 
D. Humes und der „transcendentalistischen“ Kants die Lehre von einer im¬ 
materiellen Seele nochmals zur Sprache kommt —• vgl. Kap. 6), eine ganze 
Beihe mehr populärer Ausführungen über das sog. materielle, soziale 
und geistige Selbst, über Selbstgefühle (Befriedigung und Unbefriedigung), 
Selbstliebe und Selbsterhaltung u. s. w. Unter anderem wird hier auch 
die Frage aufgeworfen, was das self of all the other selves sei und 
dahin entschieden, es sei dies das „centrale aktive Selbst“, wobei unter 
Aktivität oder Spontaneität das zustimmende und verwerfende Verhalten 
der Seele zu den vorgestellten Objekten verstanden wird — aber in 
doppeltem Sinne, nämlich sowohl indem des urteilenden Anerkennens 
und Leugnens, als in dem des Vorziehens und Ablehnens durch Ge¬ 
müt und Wille. Diese ganze Unterscheidung zwischen einem centralen 
und weniger centralen Selbst hat meines Erachtens geringen wissen¬ 
schaftlichen Wert. Und wenn J. die weitere Frage, wie der „centrale 
Teil des Selbst“ wahrgenommen werde, in ähnlicher Weise wie Wundt 
dahin zu beantworten geneigt ist, dafs das Gefühl dieses innersten Selbst, 
sorgfältig untersucht, sich als eine Summe von Bewegungsempfindungen 
im Kopf und zwischen Kopf und Kehle erweise, so sehen wir ihn 
offenbar auf bestem Wege, gänzlich zu ignorieren, dafs es noch 
andere Anschauungen giebt, als solche von physischen Phänomenen. Ein 
Versehen, das freilich auch anderwärts noch recht auffällig bei ihm zu 
Tage tritt. (Vgl. z. B. II , S. 7 u. 8; 455 u. ö.) Die volle Konsequenz
        

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