Bauhaus-Universität Weimar

Über das absolute Gehör. 
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ist der Assoziationsweg vom Namen zur Tonvorstellung bei 
ihm entwickelter als bei mir, wenn aucb nicht ganz fehlerlos 
funktionierend. 
Bei einem bekannten Berliner Musiker, der wegen der 
Sicherheit, mit der er Klaviertöne auch in unharmonischen 
Zusammenklängen erkannte, renommiert war, hatte ich zufällig 
Gelegenheit zu konstatieren, dafs er den Ton einer (geschulten 
und sehr klangvollen) Männerstimme um eine Quart falsch 
bezeichnete. Es ist mir leider nicht möglich gewesen, gerade 
in diesem Fall genaue Beobachtungen anzustellen. 
Bei einer jungen Dame, die sich eines guten, aber nicht 
gerade hervorragenden A. G. erfreut und neben Klavierspiel 
sehr viel Gesang getrieben hat, zeigten mir die Versuche auch 
eine entschiedene Bevorzugung der Klaviertöne vor Stimmgabel¬ 
und Gesangtönen. Dieselbe trat namentlich darin hervor, 
dafs jene weit schneller und sicherer erkannt wurden, diese 
zögernd und nach einiger Überlegung, wobei das Bedürfnis 
bestand, sie „innerlich nachzusingen.“ 
Der schon oben erwähnte junge Geiger, Herr W., besitzt 
für Klavier- und Geigentöne ein sehr vollkommenes A. G. 
Pfeifentönen gegenüber funktioniert dasselbe in der dort ange¬ 
gebenen Weise unsicher, so dafs die Erkennung nur zuweilen 
stattfindet. 
Ferner wäre hier die Thatsache anzureihen, dafs manche 
Personen zwar Accorde und die Tonart eines ganzen Stückes, 
nicht aber einzelne Töne erkennen. Solches berichtet u. a. 
Stumpf von B,. Franz. Dieser war einzelnen Tönen gegenüber 
stets unsicher, während er bei Accorden oder Stücken die 
Tonart beim Klavier oder Orchester stets richtig erkannte, 
nicht dagegen an der Orgel. 
Im Gegensatz hierzu kann nun allerdings leicht konstatiert 
werden, dafs es zahlreiche Personen auch giebt, für welche 
das A. G. nicht auf besondere Klangarten beschränkt ist. Als 
Beispiel hierfür kann zunächst Mozart angeführt werden, von 
welchem sein Vater ankündigte, „er werde in der Entfernung 
alle Töne, die man einzeln oder in Accorden auf dem Klavier 
oder auf allen nur denkbaren Instrumenten, Glocken, Gläsern, 
Uhren etc. aufzugeben im stände ist, genauest erkennen“. 
Aber es scheint überhaupt die Fähigkeit, alle Klänge 
bezüglich ihrer Höhe zu erkennen, nicht gar zu selten zu sein. 
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Zeitschrift für Psychologie III.
        

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