Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A. Obregia: Über Augenbewegungen bei Sphärenreizung. Du Bois-Reymond Archiv, 1890, 3 u. 4., S. 260
Person:
Ziehen
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit14797/1/
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Litleraturbericht. 
infrakortikalen, motorischen Centren geleitet wird. Hierher gehören 
nur die oben beschriebenen unwillkürlichen Augenbewegungen, welche 
den Blick wandern und vorher undeutlich Gesehenes fixieren lassen. 
Dieselben sind angeboren und haben nur Gesichtsempfindungen, keine 
Gesichts Vorstellungen zur Voraussetzung. 
3. Sehreflexe höherer Ordnung, welche von der Sehsphäre durch 
Associationsfasern zu motorischen Rin den centren geleitet werden. Die¬ 
selben sind erworben und haben auch Gesichtsvorstellungen zur 
Voraussetzung. Hierher gehört das Blinzeln bei Annäherung der Hand, 
das Ausweichen vor Hindernissen, das Zurücktreten vor der Peitsche etc. 
Die Frage, ob bei den Augenbewegungen infolge faradischer Reizung 
der Sehsphäre die Erregung eines gewöhnlichen Reflexapparates vorliegt» 
oder wirklich Lichtempfindungen entstehen, welche die Einstellung der 
Augen veranlassen, entscheidet Verfasser im Sinne der zweiten Alter¬ 
native. Er macht hierfür namentlich geltend, dafs eine und dieselbe 
Reizung unter Umständen nicht stets dieselben Augenbewegungen aus¬ 
löst und dafs die stärkste erzielbare Abwärtsbewegung kleiner ist, als 
die stärkste Aufwärtsbewegung entsprechend der Lage der Macula lutea 
im oberen äufseren Netzhautquadranten beim Hunde. 
Dafür, dafs die Rindenelemente selbst in den obigen Versuchen 
gereizt wurden und nicht die Markfasern, spricht auch die Thatsache, 
dafs nach Abtragung der Rinde stärkere Ströme zur Erzielung der Augen¬ 
bewegungen erforderlich sind, und dafs nach grofsen Blutverlusten und 
in tiefer Morphiumnarkose die Reizung der unversehrten Oberfläche fast 
ganz wirkungslos ist. 
Wird die vom Verfasser der Macula lutea zugeordnete Stelle der 
Sehsphäre gereizt, so bleiben beide Augen in Ruhe, wenn der Hund 
fixiert, nur das gekreuzte, wenn der Hund nicht fixiert. Die vorderen 
Grenzen der Sehsphäre möchte Verfasser auf Grund dieser Versuche im 
medialen Teil etwas weiter nach vorne legen und den dreieckigen Zipfel, 
welchen nach den früheren Abbildungen die Sehsphäre aus der dritten 
Windung ausschneidet, aus der Sehsphäre ausscheiden. 
Die Bedeutung der Projektion der Netzhäute auf die Sehsphäre für die 
Lokalzeichen der Gesichtsempfindung erhellt aus dem Vorausgegangenen 
unmittelbar: Reihenfolge und gegenseitige Lage der Objekte im v. Helm- 
HOLTZschen Sehfelde sind durch die Projektion gegeben; dazu verhelfen 
die Empfindungen, welche die unwillkürlichen Augenbewegungen mit 
sich bringen, zu leichter Orientierung über oben, unten, rechts und links : 
und so gestatten Projektion und Augenbewegungen zusammen die rasche 
und sichere Kenntnisnahme des Sehfeldes, welche wir bei den Tieren 
beobachten und welche ganz unmöglich wäre, würde für alle Einzelheiten 
des Sehfeldes die Erfahrung zu Hülfe kommen müssen. Ziehen (Jena). 
A. Obreoia. Über Augenbewegungen bei Sehsphärenreizung. Du Bois- 
Beymonds Archiv, 1890, 3 u. 4. S. 260. 
Die vorliegende Arbeit ist eine weitere Ausführung der voran¬ 
stehend referierten MuNxschen Mitteilungen. Die Operationsmethode 
wird genau beschrieben. Im vorderen Sehsphärengebiet sind stärkere
        

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